Caesar, Bellum Gallicum VI,14

Die Druiden: Bildung, Erkenntnislehre und Unsterblichkeitsglaube· Schwierigkeit: leicht–mittel

Einleitung

Im sechsten Buch des Bellum Gallicum beschreibt Caesar die gesellschaftliche Ordnung Galliens. Kapitel 13 behandelt die privilegierte Stellung der Druiden; Kapitel 14 – der vorliegende Text – schildert ihre Ausbildung, ihren Umgang mit Schrift und Wissen sowie ihren zentralen Glaubenssatz von der Unsterblichkeit der Seele.

Quelle: C. Iulius Caesar, De bello gallico VI,14. Gemeinfreier Text nach der Ausgabe von Alfred Klotz.

Lateinischer Text

Druides a bello abesse consuerunt neque tributa pendunt. Militiae vacationem omniumque rerum habent immunitatem. Tantis excitati praemiis et sua sponte multi in disciplinam conveniunt et a parentibus propinquisque mittuntur. Magnum ibi numerum versuum ediscere dicuntur. Itaque annos nonnulli vicenos in disciplina permanent. Neque fas esse existimant ea litteris mandare, cum in reliquis fere rebus, publicis privatisque rationibus, Graecis utantur litteris. In primis hoc volunt persuadere non interire animas, sed ab aliis post mortem transire ad alios, atque hoc maxime ad virtutem excitari putant metu mortis neglecto. Multa praeterea de sideribus atque eorum motu, de mundi ac terrarum magnitudine, de rerum natura, de deorum immortalium vi ac potestate disputant et iuventuti tradunt.

Wortschatz-Hilfen

Wort / WendungBedeutung
a bello abesse consueruntpflegten dem Krieg fernzubleiben (consuesse = Perf. v. consuescere)
tributa penduntzahlen Steuern (pendere = zahlen)
militiae vacationemBefreiung vom Kriegsdienst (Gen. obiect.)
sua sponteaus eigenem Antrieb, freiwillig
in disciplinam conveniuntkommen zur Ausbildung zusammen
versuum ediscereVerse auswendig lernen
annos … vicenoszwanzig Jahre lang (Distributivzahl als Akk. der Dauer)
fas esse existimanthalten es für gottgewollt/erlaubt
litteris mandareschriftlich festhalten, der Schrift anvertrauen
non interire animasdass die Seelen nicht sterben (AcI)
metu mortis neglectowenn die Todesfurcht beseitigt ist (Abl. abs.)
de … motu, de … magnitudineüber … die Bewegung, über … die Größe

Grammatische Hinweise

Übersetzungen

Wörtliche Übersetzung

Die Druiden pflegten dem Krieg fernzubleiben und zahlen keine Steuern. Sie haben Befreiung vom Kriegsdienst und Immunität von allen Abgaben. Durch so große Vorteile angespornt kommen viele freiwillig zur Ausbildung zusammen und werden von Eltern und Verwandten geschickt. Es heißt, dass man dort eine große Zahl von Versen auswendig lernt. So bleiben manche zwanzig Jahre lang in der Ausbildung. Sie halten es nicht für gottgewollt, diese Dinge der Schrift anzuvertrauen, obwohl sie bei fast allen übrigen öffentlichen und privaten Angelegenheiten griechische Buchstaben benutzen.

In erster Linie wollen sie davon überzeugen, dass die Seelen nicht sterben, sondern nach dem Tod von einem zum anderen übergehen, und sie meinen, dadurch am meisten zur Tapferkeit anzuspornen, wenn die Todesfurcht beseitigt wird. Außerdem diskutieren sie viel über die Sterne und ihre Bewegung, über die Größe der Welt und der Länder, über die Natur der Dinge, über Macht und Gewalt der unsterblichen Götter, und unterweisen darin die Jugend.

Idiomatische Übersetzung

Die Druiden hielten sich von Kriegsdienst fern und waren von Steuern und Abgaben befreit. Diese Vorteile lockten viele Freiwillige – und auch von Eltern und Verwandten Geschickte – in ihre Ausbildung. Man lernte dort angeblich eine Unzahl von Versen auswendig, manche blieben volle zwanzig Jahre. Ihre Lehre hielten sie nicht für schriftgeeignet, obwohl sie sonst griechische Schrift für öffentliche wie private Zwecke nutzten.

Ihr Kernglaubenssatz lautet: Die Seele stirbt nicht, sondern wechselt nach dem Tod den Körper. Damit, so meinten sie, lässt sich Tapferkeit am wirksamsten fördern – durch die Überwindung der Todesfurcht. Daneben unterwiesen sie die Jugend in Astronomie, Kosmologie, Naturlehre und Göttertheologie.

Übungsfragen

  1. Welche zwei gesellschaftlichen Privilegien der Druiden nennt Caesar am Textanfang?
  2. Erkläre Tantis excitati praemiis: Konstruktionsart und Funktion im Satz.
  3. Warum vertrauen die Druiden ihre Lehre nicht der Schrift an? Welches Argument gibt Caesar an?
  4. Formuliere den Unsterblichkeitsglauben der Druiden in eigenen Worten und erkläre, warum er nach Caesar moralisch wirksam sein soll.
  5. Welche Wissensgebiete unterrichteten die Druiden? Nenne alle im Text genannten.