Übersetzungsstil

In der Latinums-Prüfung ist eine Übersetzung gefragt, die das lateinische Original korrekt wiedergibt und im Deutschen verständlich klingt. Beides muss zusammenfinden: wer zu wörtlich übersetzt, produziert unverständliches Deutsch; wer zu frei übersetzt, riskiert inhaltliche Fehler. Der Weg führt über eine zweistufige Arbeitsweise.

Zwei Pole der Übersetzung

Wörtlich (Rohübersetzung)Idiomatisch (Reinübersetzung)
folgt dem lateinischen Satzbaufolgt dem deutschen Sprachgefühl
übersetzt jede Form 1:1wandelt Strukturen um, wo nötig
zeigt grammatisches Verständniszeigt sprachliche Beherrschung
sinnvoll als Zwischenschrittdas Endergebnis in der Klausur

Das Vorgehen in der Prüfung: zuerst wörtlich übersetzen, um alle Formen korrekt aufzulösen – dann idiomatisch umformulieren, damit das Deutsche stimmt. Wer nur einen Schritt macht, macht meist einen Fehler.

Konkrete Umformungen

LateinischWörtlichIdiomatisch
Hostibus victīs Caesar in Italiam rediit. „Den Feinden besiegt worden seienden, kehrte Caesar nach Italien zurück." „Nachdem Caesar die Feinde besiegt hatte, kehrte er nach Italien zurück."
Liber legendus est. „Das Buch ist ein zu lesendes." „Das Buch muss gelesen werden."
Cōnstat eum vēnisse. „Es steht fest, ihn gekommen zu sein." „Es steht fest, dass er gekommen ist."

Faustregeln

Was zählt in der Prüfung?

Die Bewertung einer Übersetzung folgt üblicherweise zwei Kriterien:

Im Zweifelsfall: lieber eine korrekte, etwas steife Übersetzung als eine freie, bei der unklar ist, ob die Grammatik verstanden wurde. Die Prüferin / der Prüfer bewertet das grammatische Verständnis, nicht den literarischen Stil.