Natur & Landwirtschaft

Landwirtschaft war die Grundlage der römischen Wirtschaft und das Leitbild aristokratischer Lebensweise. Werke wie Catos De agri cultura, Vergils Georgica und Columellas De re rustica zeigen, wie eng Natur und Ethik verknüpft waren: Der ideale Römer ist der bäuerliche Grundbesitzer. Daneben liefern Naturphänomene und Gestirne in der Dichtung (Ovid, Lukrez) und Geschichtsschreibung (Livius, Caesar) häufige Kontextmotive.

Landschaft und Natur

LemmaBedeutungHinweis
terra, -ae f.Erde, Land, Bodenterrārum orbis – der Erdkreis; terrā marīque – zu Land und zu Wasser
ager, agrī m.Acker, Feld, Gebietkultiviertes Land im Unterschied zur wilden terra; ager Rōmānus – röm. Staatsland
silva, -ae f.Wald, Gehölzsilvae Pl. – Wälder; poetisch: wilde, unzivilisierte Natur
mōns, montis m.Berg, GebirgeAlpēs, -ium f.Pl. – die Alpen; sub monte – am Fuß des Berges
campus, -ī m.Ebene, Flachland, FeldCampus Mārtius – das Marsfeld in Rom; in campō – auf dem Schlachtfeld
mare, maris n.Meeri-Stämme; mare nostrum – das Mittelmeer; in altum – auf das hohe Meer
flūmen, -inis n.Fluss, Stromflūmen trānsīre – einen Fluss überqueren; vgl. fluvius – kleiner Fluss
aqua, -ae f.Wasseraqua et ignis – Wasser und Feuer (Lebensgrundlagen); aquaeductus – Aquädukt
ventus, -ī m.Windventīs secundīs – bei günstigem Wind; ventī Pl. – Windgötter (Vergil)
tempestās, -ātis f.Sturm; Wetter, Zeiturspr. „Wetterlage" allgemein; dann „Unwetter"; bonā tempestate – bei gutem Wetter

terra vs. ager: terra meint die Erde als Element oder Land in weitem Sinne; ager bezeichnet das bewirtschaftete Feld oder das Territorium einer Stadt. tempestās bedeutet im älteren Latein noch neutral „Wetterzustand" und „Zeit" (illā tempestate – damals); erst später verengt es sich auf „Unwetter".

Himmel und Gestirne

LemmaBedeutungHinweis
caelum, -ī n.Himmel, Klima, Luftsub dīvō / sub caelō – unter freiem Himmel; caelum auch = Klima einer Region
sōl, sōlis m.Sonnesōl orītur / occidit – die Sonne geht auf / unter; ad sōlem – nach Osten
lūna, -ae f.Mondlūnā plēnā – bei Vollmond; Göttin Diana gleichgesetzt
stēlla, -ae f.Sternstēllae errantes – die Planeten (wörtlich: die wandernden Sterne)

Tiere

LemmaBedeutungHinweis
animal, -ālis n.Lebewesen, Tiervon anima; umfasst Mensch und Tier; animālia Pl.
equus, -ī m.Pferdequō vehere – zu Pferd reiten; equitātus – die Reiterei
bōs, bovis m./f.Rind, Ochse / Kuhunregelmäßig: Gen. bovis, Pl. bovēs, Gen.Pl. boum; wichtigstes Zugtier
ovis, -is f.Schafi-Deklination; ovium pastor – Schafhirt; Wolle (lāna) als Wirtschaftsgut

bōs hat eine unregelmäßige Deklination: Sg. bōs, bovis, bovī, bovem, bove; Pl. bovēs, boum, bōbus/būbus, bovēs, bōbus/būbus. Der doppelte Ablativ-/Dativplural (bōbus und būbus) ist prüfungsrelevant.

Landwirtschaft: Produkte und Tätigkeiten

LemmaBedeutungHinweis
frūmentum, -ī n.Getreide, Kornfrūmentum comportāre – Getreide einbringen; rēs frūmentāria – Getreideversorgung (bei Caesar)
vīnum, -ī n.Weinneben Getreide und Öl eines der drei Grundprodukte des Mittelmeerraums
oleum, -ī n.Öl, Olivenölgriech. Lehnwort; oleīs – Olivenhaine; wirtschaftlich und kultisch bedeutsam
colere, colō, coluī, cultumbebauen; pflegen; verehrenagrum colere – Acker bestellen; deōs colere – Götter verehren; → cultūra, cultura
serere, serō, sēvī, satumsäen, pflanzenquod severis, metēs – was du gesät hast, wirst du ernten (Sprichwort)
metere, metō, messuī, messumernten, mähen, abschneidenauch übertragen: glōriam metere – Ruhm ernten

colere ist eines der semantisch reichsten lateinischen Verben: Es meint das Bestellen von Land, die Pflege von Beziehungen (amīcitiam colere) und die Verehrung von Göttern gleichermaßen. Daraus leitet sich cultūra (Pflege, Bildung) und unser Wort „Kultur" ab. Die mediterrane Trias frūmentum – vīnum – oleum (Getreide, Wein, Öl) war die wirtschaftliche Grundlage der antiken Welt und erscheint als feste Formel bei Livius und in Rechtstexten.