Zeitplan in der Klausur
Wer in der Prüfung planlos drauflosübersetzt, verliert Zeit und Nerven. Ein fester Zeitplan – auch wenn er in der Klausur nicht immer exakt eingehalten werden kann – gibt Orientierung und verhindert, dass eine schwierige Textstelle die ganze Prüfungszeit auffrisst.
Zeitplan für eine 2-Stunden-Klausur
Typischer Rahmen: 120 Minuten, ca. 180–200 Wörter Originaltext.
| Phase | Dauer | Tätigkeit |
|---|---|---|
| 1. Überblick | 10 min | Text einmal ganz lesen ohne zu übersetzen. Eigennamen markieren. Sinneinheiten und Abschnitte abgrenzen. Auf Satzgrenzen und besonders komplexe Perioden achten. |
| 2. Rohübersetzung | 60 min | Satz für Satz: Konstruktionsanalyse (Prädikat → Subjekt → Objekte → Adverbialien), Wörterbuch gezielt für Schlüsselwörter nutzen, Übersetzung in Stichworten notieren. Schwierige Stellen markieren, noch nicht aufhalten. |
| 3. Reinübersetzung | 35 min | Aus den Stichworten flüssiges, grammatisch korrektes Deutsch formulieren. Partizipialkonstruktionen zu Nebensätzen auflösen. Hyperbata zusammenführen. Markierte Problemstellen jetzt lösen. |
| 4. Kontrolle | 15 min | Die fertige Übersetzung gegen den lateinischen Text prüfen: Vergessene Wörter? Falsche Bezüge bei Pronomina? Tempus und Modus korrekt wiedergegeben? Kasus richtig interpretiert? |
Die Zeitaufteilung ist ein Richtwert. Wer merkt, dass Phase 2 länger dauert, kürzt bei Phase 3, nicht bei Phase 4 – die Kontrolle findet immer viele Flüchtigkeitsfehler.
Notfallregeln
- Sackgasse? Den schwierigen Satz vorerst überspringen, mit einem Fragezeichen am Rand markieren und am Ende der Rohübersetzung zurückkehren. Der Kontext der umliegenden Sätze macht schwierige Stellen oft nachträglich klar.
- Wort nicht im Stowasser? Im Kontext erschließen: Wortbildung hilft (Präfix + bekannter Stamm), Eigennamen sind oft transparent, und der Satzsinn schränkt die möglichen Bedeutungen stark ein. Nichts erfinden – lieber eine Leerstelle als eine Falschübersetzung, die den Rest des Satzes zerstört.
- Zeitdruck gegen Ende? Lieber den gesamten Text holprig übersetzen als ein Drittel perfekt und den Rest leer lassen. Jede übersetzte Textstelle kann Punkte bringen; leere Zeilen bringen keine.
- Letzte 10 Minuten, noch Lücken? Niemals leer abgeben. Auch unsichere Vermutungen einsetzen – eine Übersetzung, die die richtige Richtung andeutet, ist besser als keine Antwort. Sternchen oder Klammern mit einer kurzen Anmerkung zeigen, dass die Unsicherheit bewusst ist.
Vorbereitung auf die Klausurbedingungen
- Stowasser-Handling üben: Wer das Wörterbuch blind navigiert, gewinnt in der Klausur mehrere Minuten. Mindestens fünfmal unter echten Bedingungen (auf Zeit) nachschlagen üben.
- Zeitplan einhalten trainieren: Bei Probeübersetzungen zu Hause dieselbe Zeitaufteilung verwenden. Das trainiert das Zeitgefühl.
- Schwierige Textsorten kennen: Perioden bei Cicero sind länger als bei Caesar. Wer beide Autoren geübt hat, kann die Komplexität eines Textes beim ersten Lesen rasch einschätzen und die Zeit entsprechend einteilen.