Mit dem Stowasser arbeiten
Der Stowasser (Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch) ist an österreichischen Universitäten meist das einzig zugelassene Hilfsmittel in der Latinumsprüfung. Wer effizient nachschlägt, gewinnt 15–30 Minuten in der Klausur – und wer weiß, was im Eintrag steht, übersetzt genauer.
Sieben Tipps für effizientes Nachschlagen
- Lemma rückführen – Verbformen auf die 1. Sg. Präs. Akt. zurückführen (vēnerant → veniō); Substantive auf den Nom. Sg.; Adjektive auf die Maskulinform Nom. Sg. Wer die Form nicht erkennt, bestimmt zunächst Tempus, Modus und Person, schließt dann auf den Stamm.
- Unregelmäßige Perfekt- und PPP-Formen – Wer tulī sucht und nicht weiß, dass es zu ferō gehört, verliert wertvolle Zeit. Suppletive und stark unregelmäßige Formen (z. B. tulī / lātum, tetulī, tetendī, rettulī) gehören zum auswendig gelernten Repertoire. Eine Übersicht bietet Unregelmäßige Verben.
- Konstruktions- und Kasusangaben beachten – Direkt hinter dem Lemma und den Stammformen stehen im Stowasser die Kasusrektionen und Konstruktionsanschlüsse (z. B. persuādēre + Dat. + ut/nē; ūtī + Abl.). Diese Information entscheidet, welches Satzglied welche Funktion hat.
- Phraseologie vor Grundbedeutung lesen – Im Stowasser-Eintrag folgen nach der Grundbedeutung fettgedruckte Wendungen. Diese Phrasen passen im Kontext oft präziser als die allgemeine Bedeutung. Immer zuerst schauen, ob eine Wendung auf den vorliegenden Satz zutrifft.
- Nicht jedes Wort nachschlagen – Beim ersten Textdurchgang nur die unbekannten Schlüsselwörter nachschlagen; den Rest zunächst aus dem Kontext erschließen. Flächendeckendes Suchen verlangsamt und zerstört den Lesefluss.
- Eigennamen-Liste vorne nutzen – Orts- und Personennamen stehen im Stowasser im vorderen Register (Eigennamen-Verzeichnis) separat vom Hauptteil. Wer sie im Alphabetteil sucht, sucht vergebens.
- Abkürzungen kennen – Die häufigsten Abkürzungen im Stowasser: m./f./n. = Genus; tr./intr. = transitiv/intransitiv; poet. = poetischer Gebrauch; defect. oder vd. = defektives Verb (Formen fehlen); part. perf. = Partizip Perfekt; c. = mit; v. oder vgl. = vergleiche.
Beispiel-Suche: cōnsuluisset
Eine unbekannte Form systematisch aufschlüsseln:
- Form bestimmen – Endung -isset: Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv, 3. Sg. → Perfektstamm endet auf -u-: cōnsulu-.
- Lemma ermitteln – Perfektstamm cōnsulu- / Präsensstamm cōnsul- → Eintrag im Stowasser: cōnsulō, -ere, -uī, -tum.
- Kasusrektion beachten – Der Stowasser verzeichnet zwei Konstruktionen: cōnsulere alicuī – für jemanden sorgen, jemandes Interesse vertreten; cōnsulere aliquem – jemanden befragen, um Rat fragen.
- Kontext entscheidet – Im Satz senātum cōnsuluisset steht senātum im Akkusativ → Konstruktion 2: „den Senat befragt hätte".
Dieselbe Form cōnsulere kann also je nach Kasusanschluss „für jemanden sorgen" oder „jemanden befragen" bedeuten – ein klassisches Beispiel dafür, warum die Konstruktionsangaben im Wörterbuch unverzichtbar sind.