Römische Republik
509–27 v. Chr. – Ständekämpfe, Punische Kriege, Expansion im Mittelmeerraum und die Blütezeit der lateinischen Literatur.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 509 v. Chr. | Gründung der Republik; Einsetzung der zwei Konsuln als jährlich wechselnde Führung |
| 494 | Erster Auszug der Plebejer auf den Heiligen Berg (sēcessio plēbis); Einrichtung des Volkstribunats als Schutz der Plebejer |
| 451/450 | Zwölftafelgesetz (lēgēs duodecim tabulārum): erstes schriftliches Gesetzgebungswerk Roms |
| 390 | Gallier unter Brennus plündern Rom (gallische Katastrophe); nur das Kapitol hält stand |
| 367 | Licinisch-Sextische Gesetze: Plebejer erhalten Zugang zum Konsulat |
| 343–290 | Samnitische Kriege: Rom wird zur Hegemonialmacht in Mittel- und Süditalien |
| 287 | Lex Hortensia: Beschlüsse der Volksversammlung (plēbiscīta) gelten für alle Bürger; Ende der Ständekämpfe |
| 264–241 | Erster Punischer Krieg gegen Karthago; Sizilien wird Roms erste Provinz |
| 218–201 | Zweiter Punischer Krieg; Hannibal überquert die Alpen; Niederlage bei Cannae (216); Scipio besiegt Hannibal bei Zama (202) |
| 149–146 | Dritter Punischer Krieg; Zerstörung Karthagos; gleichzeitig Einnahme Korinths: Rom beherrscht den gesamten Mittelmeerraum |
| 133/123–121 | Reformversuche der Gracchen scheitern; beide Brüder werden ermordet – Beginn der innenpolitischen Krise |
| 60 | Erstes Triumvirat: Caesar, Pompeius und Crassus teilen informell die Macht |
Schlüsselfiguren
- Scipio Africanus (236–183 v. Chr.)
- Feldherr und Staatsmann, Bezwinger Hannibals bei Zama (202 v. Chr.); Inbegriff des imperātor und Beispiel der griechisch gebildeten Nobilität. Seine Biographie wurde Gegenstand der Dichter Ennius und Silius Italicus.
- Cato der Ältere (234–149 v. Chr.)
- Erster bedeutender lateinischer Prosaautor (Origines), Vorkämpfer altrömischer Werte gegen den griechischen Kultureinfluss (mōs maiōrum), Zensor 184 v. Chr. Sein Diktum Carthāgō dēlenda est wurde sprichwörtlich.
- Cicero (106–43 v. Chr.)
- Bedeutendster lateinischer Prosaautor und Redner; Konsul 63 v. Chr., Unterdrücker der Catilinarischen Verschwörung. Sein rhetorisches und philosophisches Werk prägt das Lateinbild bis heute; Schullektüre-Standard.
- Caesar (100–44 v. Chr.)
- Feldherr, Staatsmann und Schriftsteller; Gallischer Krieg (58–51 v. Chr.) in klarem, parataktischem Latein festgehalten. Seine Diktatur (49–44 v. Chr.) und Ermordung an den Iden des März (15. März 44) beendeten die Republik faktisch.
- Pompeius Magnus (106–48 v. Chr.)
- Caesars politischer Rivale; Bezwinger des Seeraubwesens und des Mithridates; nach der Niederlage bei Pharsalos (48 v. Chr.) in Ägypten ermordet. Lucans Epos Pharsalia verherrlicht ihn posthum.
Verbindung zur lateinischen Literatur
Die späte Republik (ca. 80–27 v. Chr.) ist die Epoche der „Goldenen Latinität": Ciceros Reden, Caesars Kriegsberichte, Sallusts Monographien und Catulls Lyrik entstehen in dieser Zeit der höchsten innenpolitischen Spannungen. Der Kontext ist stets politisch: Ciceros Catilinariae sind Reden in einer Staatskrise, Sallusts Catilina ist eine Monographie über denselben Aufruhr. Wer diese Texte liest, muss die politischen Verhältnisse des 1. Jahrhunderts v. Chr. kennen.