e-Deklination
Eine kleine, aber wichtige Deklinationsklasse mit Wörtern wie res und dies.
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- Substantive der 5. Deklination nach den Mustern rēs (f.) und diēs (m./f.) vollständig deklinieren
- erklären, welche Wörter vollständige Pluralformen haben (nur rēs und diēs; die meisten sind Singularia tantum)
- die Endungsvarianten Gen./Dat.Sg. -ēī (nach Vokal: diēī, faciēī) und -eī (nach Konsonant: reī, speī, fideī) korrekt zuordnen
- das Genus von diēs (Regelfall maskulin; bei festem Termin feminin) und meridiēs (immer maskulin) erklären
- rēs pūblica durch beide Teile korrekt deklinieren
Überblick: Wörter der 5. Deklination
Die 5. Deklination (e-Stämme) ist die kleinste Deklinationsklasse. Die meisten Wörter sind feminine Abstrakta und kommen nur im Singular vor; vollständige Pluralformen sind lediglich von rēs und diēs in klassischer Prosa üblich.
- rēs, reī f. – Sache, Ding; Angelegenheit; Staat (sehr häufig; voller Plural)
- diēs, diēī m. (f.) – Tag (sehr häufig; voller Plural; Genus s. u.)
- fidēs, fideī f. – Treue, Vertrauen, Glaube (meist nur Sg.)
- spēs, speī f. – Hoffnung (meist nur Sg.)
- faciēs, faciēī f. – Gesicht, Erscheinung (meist nur Sg.)
- aciēs, aciēī f. – Schärfe; Schlachtreihe; Blick (meist nur Sg.)
- speciēs, speciēī f. – Erscheinung, Art (meist nur Sg.)
- meridiēs, meridiēī m. – Mittag, Süden (immer maskulin; kein Plural)
Genitiv und Dativ Singular: -ēī oder -eī?
Im Genitiv und Dativ Singular variiert die Endung je nach dem letzten Stammlaut:
| Nom.Sg. | Gen./Dat.Sg. | Letzter Stammlaut | Endung |
|---|---|---|---|
| diēs | diēī | Vokal (-ie-) | -ēī |
| faciēs | faciēī | Vokal (-ie-) | -ēī |
| rēs | reī | Konsonant (r) | -eī |
| spēs | speī | Konsonant (p) | -eī |
| fidēs | fideī | Konsonant (d) | -eī |
In der Praxis sind reī und diēī die wichigsten Formen; bei den Singularia-tantum-Wörtern (fideī, speī) kommen Genitiv und Dativ selten vor.
Paradigma: rēs, reī f. (die Sache)
| Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | rēs | rēs |
| Genitiv | reī | rērum |
| Dativ | reī | rēbus |
| Akkusativ | rem | rēs |
| Ablativ | rē | rēbus |
Paradigma: diēs, diēī m. (f.) (der Tag)
| Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | diēs | diēs |
| Genitiv | diēī | diērum |
| Dativ | diēī | diēbus |
| Akkusativ | diem | diēs |
| Ablativ | diē | diēbus |
Genus von diēs und meridiēs
diēs ist im Regelfall maskulin: diēs longus – ein langer Tag; diēs festus – ein Festtag.
Ausnahme – feminin: Wenn diēs einen festgesetzten Termin oder eine Frist bezeichnet, verwenden klassische Autoren das Femininum: diēs certa – ein bestimmter Fälligkeitstag; diēs constitūta – der vereinbarte Tag. Diese Verwendung findet sich u. a. bei Cicero.
meridiēs, meridiēī m. – Mittag, Süden – ist immer maskulin und hat keinen gebräuchlichen Plural.
rēs pūblica – Deklination beider Teile
In der Verbindung rēs pūblica (Staat, Gemeinwesen) werden beide Teile dekliniert: rēs nach der 5. Deklination, das Adjektiv pūblica nach der a-Deklination als Femininum in Kongruenz mit rēs. Auch die Schreibungen rēspūblica (ein Wort) und pūblica rēs (invertiert) sind antik belegt.
| Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | rēs pūblica | rēs pūblicae |
| Genitiv | reī pūblicae | rērum pūblicārum |
| Dativ | reī pūblicae | rēbus pūblicīs |
| Akkusativ | rem pūblicam | rēs pūblicās |
| Ablativ | rē pūblicā | rēbus pūblicīs |
Wichtige Wendungen: prō rē pūblicā – für den Staat; rēs gestae – vollbrachte Taten, Geschichte; rēs novae – neue Zustände, Revolution; dē rērum nātūrā – über das Wesen der Dinge (Lukrez-Titel).
Typische Fehler
- Plural bei Singularia tantum: *fidērum, spērum sind in klassischer Prosa nicht belegt. Nur rērum und diērum sind gebräuchlich.
- Gen./Dat.Sg. -eī und -ēī verwechseln: diēī hat nach dem Vokal-Stamm langes ē; reī hat nach dem Konsonanten kurzes e. Wer *rēī oder *diei schreibt, macht einen Quantitätsfehler.
- diēs generell als Femininum: diēs ist im Regelfall maskulin. *diēs longa für „ein langer Tag" ist falsch; korrekt: diēs longus. Nur bei festem Termin/Frist steht das Femininum.
- Abl.Sg. ohne Längenzeichen: rē und diē haben langes ē. Die Kürze *re, die verdeckt die Kasusendung und ist metrisch/prosodisch falsch.
- rēs pūblica: nur einen Teil deklinieren: *reī publica (Adjektiv nicht flektiert) oder *rem publicae (Kasusinkongruenz) sind Fehler. Beide Teile müssen in Kasus, Numerus und Genus übereinstimmen.
Quellen und Referenzgrammatiken
- Rubenbauer, Hans / Hofmann, Johann B. / Heine, Rolf: Lateinische Grammatik. 12., korr. Aufl. Bamberg / München: Buchner / Oldenbourg, 1995. §§ 64–70 (5. Deklination, Besonderheiten von diēs und rēs).
- Menge, Hermann: Lehrbuch der lateinischen Syntax und Semantik, neu bearb. von Thorsten Burkard und Markus Schauer. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000.
- Kühner, Raphael / Holzweissig, Friedrich: Ausführliche Grammatik der lateinischen Sprache, Bd. 1: Elementar-, Formen- und Wortlehre. 2. Aufl. Hannover: Hahn, 1912 (Nachdruck Darmstadt 1976).