Zeit & Raum

Zeitliche und räumliche Angaben durchziehen jeden lateinischen Text. Neben dem Vokabular ist die Konstruktion entscheidend: Zeitdauer steht im Akkusativ (multōs annōs), Zeitpunkt im Ablativ (eō tempore), Zeitspanne im Ablativ (tribus diēbus). Ortsangaben bei Städtenamen folgen eigenen Regeln ohne Präposition. Das hier versammelte Vokabular begegnet in der gesamten lateinischen Prosaliteratur von Caesar bis Livius.

Zeit

LemmaBedeutungHinweis
tempus, -oris n.Zeit, Zeitpunkt, Umstandad tempus – zur rechten Zeit; in praesēns tempus – für jetzt
aetās, -ātis f.Lebensalter, Zeitalter, Generationnostrā aetāte – zu unserer Zeit; aetās aurea – das goldene Zeitalter
annus, -ī m.JahrDauer: Akk. (multōs annōs); Zeitpunkt: Abl. (eō annō)
mēnsis, -is m.Monati-Deklination; mēnse Iānuāriō – im Monat Januar
diēs, diēī m./f.Tage-Deklination; m. im Sg., f. bei „festgesetztem Tag" (diēs dicta); in diēs – von Tag zu Tag
nox, noctis f.Nachtnoctū / nocte – nachts; mediā nocte – um Mitternacht
hōra, -ae f.Stunde, Tageszeitgriech. Lehnwort; hōrā tertiā – um die dritte Stunde (= ca. 9 Uhr)
prīmum … deinde … postrēmōzuerst … dann … schließlichStandardgliederung in Erzählung und Argumentation
iamschon, bereits; nun (bei Zukunft)iam dūdum – schon lange; iam nōn – nicht mehr
nuncjetzt, gegenwärtigGegenwart; nunc … nunc – bald … bald
tum / tuncdamals, dann, zu jener Zeittum … cum – damals als; tum dēmum – erst dann
umquam / numquamjemals / niemalsumquam in Fragen und Kondizionalsätzen; numquam in negierten Aussagen
semperimmer, stets
saepeoft, häufig
interdumzuweilen, manchmalschwächer als saepe; gelegentlich
cotīdiētäglich, jeden Tagvon quot + diēs; Variante: quōtīdiē

tempus vs. aetās: tempus bezeichnet einen konkreten Zeitpunkt oder eine Zeitspanne; aetās ein Lebensalter oder eine historische Epoche. tum vs. nunc: nunc steht für die Gegenwart des Sprechers, tum für einen Zeitpunkt in der Vergangenheit oder Zukunft des Erzählzusammenhangs.

Raum

LemmaBedeutungHinweis
locus, -ī m. (Pl. loca n.)Ort, Stelle, Platzunregelmäßiger Pl. loca (n.) – Örtlichkeiten; locī (m.) – Textstellen, Themen
regiō, -ōnis f.Gegend, Gebiet, Richtungin eās regiōnēs – in jene Gegenden
urbs, urbis f.Stadt; (die) Stadt Romohne Attribut meist = Rom; Urbs aeterna – die ewige Stadt
oppidum, -ī n.befestigter Ort, Landstadtim Unterschied zu urbs kleinere, nicht-römische Stadt; bei Caesar häufig
vīcus, -ī m.Dorf; Stadtviertel, Gassekleinste Siedlungseinheit; in der Stadt: Straßenzug
via, -ae f.Weg, Straße, Reiseviā Appiā – auf der Appischen Straße (Abl. ohne Präp.)
iter, itineris n.Weg, Marsch, Reiseiter facere – marschieren, reisen; magnīs itineribus – in Eilmärschen
patria, -ae f.Vaterland, Heimatprō patriā morī – für das Vaterland sterben
prōvincia, -ae f.Provinz; Amtsbereichurspr. Amtsbezirk eines Magistrats; dann: röm. Außengebiet
hīc / ibi / illīchier / dort / dort drübenOrtsadverbien der drei Deixis-Stufen
ubi / quō / undewo / wohin / woherFrage- und Relativadverbien; korrespondieren mit hīc / hūc / hinc
prope / proculnahe / fernprope + Akk. – nahe bei; procul ā + Abl. – weit entfernt von

urbs vs. oppidum: urbs bezeichnet die (groß-)städtische Anlage, ohne Zusatz meist Rom selbst; oppidum ist die befestigte Provinzstadt oder Landstadt. Zum unregelmäßigen Plural von locus: locī (m.Pl.) meint abstrakte Stellen (Textstellen, Argumentationsplätze), loca (n.Pl.) konkrete Örtlichkeiten und Landschaften.

Lokalkonstruktionen bei Städtenamen

Städte- und Inselnamen sowie einige Einzelwörter (domus, rūs, humus) bilden Ortsangaben ohne Präposition:

FunktionKasusBeispielBedeutung
Wo? (Lage)Lokativ (= Gen./Abl. Sg.)Rōmaein Rom
Wohin? (Ziel)AkkusativRōmamnach Rom
Woher? (Herkunft)AblativRōmāaus Rom

Ausführlicher behandelt auf der Seite Lokalkonstruktionen in der Satzlehre.