Königszeit
753–509 v. Chr. – Von der mythischen Gründung Roms unter Romulus bis zur Vertreibung des letzten Königs Tarquinius Superbus.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 753 v. Chr. | Traditionelle Gründung Roms durch Romulus (nach Varro); Romulus tötet seinen Bruder Remus und wird erster König |
| 753–716 | Romulus: Raub der Sabinerinnen sichert Roms Bevölkerungswachstum; gemeinsame Herrschaft mit dem Sabinerkönig Titus Tatius |
| 716–673 | Numa Pompilius: Einführung des religiösen Kalenders, der Priesterkollegien und kultischer Institutionen; Friedensregierung |
| 673–642 | Tullus Hostilius: Krieg gegen Alba Longa; Kampf der drei Horatier gegen die drei Curiatier entscheidet den Konflikt zugunsten Roms |
| 642–617 | Ancus Marcius: Ausbau der Stadtmauern, Gründung der Hafenstadt Ostia an der Tibermündung |
| 616–579 | Tarquinius Priscus (Tarquinius I.): erste etruskische Herrschaft; Bau des Circus Maximus und Beginn des Kapitolstempels |
| 579–534 | Servius Tullius: Servianische Verfassung und Zenturiatsordnung; erstmalige Einteilung der Bürger nach Vermögensklassen |
| 534–510 | Tarquinius Superbus: tyrannische Herrschaft, Unterdrückung des Senats; Bau des Iuppitertempels auf dem Kapitol |
| 510/509 | Vergewaltigung der Lucretia durch Sextus Tarquinius; Aufstand unter L. Iunius Brutus; Vertreibung der Könige und Gründung der Republik |
Schlüsselfiguren
- Romulus (reg. 753–716 v. Chr.)
- Mythischer Gründer Roms und erster König; nach der Überlieferung mit seinem Zwillingsbruder Remus von einer Wölfin gesäugt. Die Tradition stellt ihn als Kriegerkönig dar, der durch den Raub der Sabinerinnen und die Annexion umliegender Gemeinschaften die Grundlage für Roms Expansion legte.
- Numa Pompilius (reg. 716–673 v. Chr.)
- Zweiter König sabinischer Herkunft, gilt als Gegenbild zum kriegerischen Romulus: Friedensfürst und Ordner des Kultwesens. Er soll den Götterkalender eingeführt, die Vestalinnen eingesetzt und die Priesterkollegien (Pontifices, Auguren, Flamen) organisiert haben.
- Tarquinius Superbus (reg. 534–510/509 v. Chr.)
- Letzter König Roms, dessen Name programmatisch für seine Tyrannei steht (superbus = hochmütig, überheblich). Er soll den Senat entmachtet, politische Gegner ermordet und durch seinen Sohn Sextus die Verletzung der Lucretia provoziert haben, die den Umsturz auslöste.
- Lucretia
- Tochter des L. Tricipitinus, Frau des Tarquinius Collatinus; Inbegriff der römischen Tugend (virtūs, pudīcitia). Nach ihrer Vergewaltigung durch Sextus Tarquinius klagte sie die Tat öffentlich an und tötete sich selbst – ihr Schicksal lieferte den moralischen Anlass für den Sturz der Könige.
- L. Iunius Brutus
- Anführer des Aufstands gegen Tarquinius Superbus; erster Konsul der Römischen Republik (509 v. Chr.). Die Überlieferung zeichnet ihn als listigen Befreier: Sein Beiname Brutus (der Stumpfe) habe ihn unter den Königen vor dem Tod geschützt.
Verbindung zur lateinischen Literatur
Die Königszeit ist keine Epoche der lateinischen Schriftliteratur – Texte existierten damals noch kaum. Doch die Ereignisse dieser Zeit wurden später zu Standardstoff: Livius (Ab urbe condita, Bücher 1–2) schildert die Könige als moralisches Lehrbeispiel, ohne historische Kritik zu üben. Vergil lässt in der Aeneis die Gründungsgeschichte mythologisch unterbauen – Aeneas als trojanischer Urvater schafft die Voraussetzung für Romulus. Ennius behandelte in seinen Annales (Frühe Republik) die Königszeit in epischen Versen; das Werk ist nur in Fragmenten erhalten.
Für das Latinum besonders relevant: Livius' Bericht über Romulus und Remus (I,7) und die Lucretia-Episode (I,57–59) werden in Prüfungen oft als Belegtext für Absichtssatzgefüge (ut + Konjunktiv) und historischen Infinitiv herangezogen.