Imperativ

Der Imperativ drückt eine direkte Aufforderung oder einen Befehl aus. Er existiert nur in der 2. Person (Singular und Plural) und hat im Lateinischen zwei Zeitstufen: den Imperativ Präsens für normale Befehle und den Imperativ Futur für Anweisungen mit dauerhafter oder rechtlicher Geltung.

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Imperativ Präsens Aktiv

Die 2. Sg. entspricht dem reinen Präsensstamm (ohne Endung); die 2. Pl. wird durch Anhängen von -te gebildet.

a-Konj. (amāre) e-Konj. (monēre) kons. Konj. (regere) i-Konj. (audīre) gem. Konj. (capere)
2. Sg.amāmonēregeaudīcape
2. Pl.amātemonēteregiteaudītecapite

Bei der konsonantischen und der gemischten Konjugation erhält die 2. Pl. ein eingeschobenes -i- vor -te (regite, capite).

Imperativ Präsens Passiv

Im Passiv begegnet der Imperativ vor allem bei Deponentia (Verben mit passiver Form, aber aktiver Bedeutung).

a-Konj. (amārī) e-Konj. (monērī) kons. Konj. (regī) i-Konj. (audīrī) gem. Konj. (capī)
2. Sg.amāremonēreregereaudīrecapere
2. Pl.amāminīmonēminīregiminīaudīminīcapiminī

Beispiel Deponens: sequere mē! (sequī) – Folge mir! | loquiminī clārius! (loquī) – Sprecht deutlicher!

Unregelmäßige Imperative

Einige häufige Verben haben stark verkürzte oder sonst abweichende Imperativformen, die auswendig gelernt werden müssen:

Infinitiv2. Sg.2. Pl.
dīcere – sagendīcdīcite
dūcere – führendūcdūcite
facere – machenfacfacite
ferre – tragenferferte
esse – seineseste
īre – gehenīīte
velle – wollen(kein Imperativ)(kein Imperativ)
nōlle – nicht wollennōlīnōlīte

Merkhilfe für die vier kurzen Imperative: dīc, dūc, fac, fer — diese vier verlieren ihr auslautendes -e.

Verneinter Imperativ (Verbot)

Ein lateinisches Verbot wird nicht durch nōn + Imperativ ausgedrückt, sondern auf zwei Wegen:

Imperativ Futur

Der Imperativ Futur (imperativus futuri) steht in Gesetzen, Testamenten, Verträgen und religiösen Vorschriften — überall dort, wo ein Befehl dauerhaft und über den Augenblick hinaus gelten soll.

PersonEndungBeispiel (amāre)
2. / 3. Sg.-tōamātō
2. Pl.-tōteamātōte
3. Pl.-ntōamantō

Beispiel aus den Zwölftafelgesetzen: Hōminem mortuum in urbe nē sepelītō nēve ūritō. – Eine Leiche darf man in der Stadt weder begraben noch verbrennen.