Römischer Alltag

Domus und īnsula, thermae und Forum – das alltägliche Leben, das hinter Senecas Briefen, Plinius' Schilderungen und den Vokabeln der Prüfungstexte steht.

Wohnen: domus und īnsula

Domus – das Stadthaus der Wohlhabenden

Die domus war das repräsentative Wohnhaus der besser gestellten Römer: nach außen hin abgeschlossen (keine Fenster zur Straße), nach innen zum Lichthof hin geöffnet. Die wichtigsten Räume:

Īnsula – das Mietshaus

Die große Mehrheit der Stadtbevölkerung Roms wohnte in mehrstöckigen Mietshäusern (īnsulae). Die Untergeschosse waren begehrter (weniger Treppensteigen, weniger Brandgefahr), die Obergeschosse billiger und riskanter. Īnsulae hatten oft keine Küchen und keine Toiletten; man kochte auf Kohlebecken und benutzte öffentliche Latrinen. Feuer war ständige Gefahr.

Thermae – die Badeanstalt

Die öffentlichen Bäder (thermae) waren das Sozialzentrum Roms: günstiger Eintritt, manchmal kostenlos; Männer und Frauen getrennt oder zu verschiedenen Tageszeiten. Typischer Ablauf: Übungen im palaestra (Sportplatz) → tepidārium (Warmbad) → caldārium (Heißbad) → frīgidārium (Kaltbecken). Die Kaiserthermen (Caracalla, Diokletian) fassten Tausende Badegäste gleichzeitig.

Seneca beklagte sich in Epistulae 56, dass der Lärm der Therme über ihm sein Schreiben störe – ein lebendiges Dokument des Alltagslebens.

Das Forum als Stadtmittelpunkt

Das forum Rōmānum war das politische, religiöse und wirtschaftliche Herz Roms: Hier standen die Basiliken (Gerichtsgebäude und Markthallen), Tempel (templum Vestae, templum Saturnī), die Rednertribüne (rōstrā) und der comitium (Volksversammlungsplatz). Ciceros Reden erklangen hier; Caesar wurde hier ermordet; Augustus baute das forum Augustī daneben.

Kleidung: toga und tunica

Das Alltagskleidungsstück war die tunica: ein einfaches, kurzärmeliges Hemd aus Wolle oder Leinen, das bei der Arbeit gegürtet wurde. Die toga – das halbkreisförmige Wollgewand der freien römischen Männer – war Festkleid und Symbol der Bürgerschaft. Sie war unpraktisch und aufwendig anzulegen; der Alltag spielte sich in der Tunika ab.

Essen und Trinken: cēna

Das Hauptmahl des Tages war die cēna am späten Nachmittag. Ein aufwendiges Gastmahl gliederte sich in drei Gänge: gustātiō (Vorspeisen, z. B. Eier, Oliven), cēna im engeren Sinne (Fleisch, Fisch, Gemüse) und secundae mēnsae (Nachspeisen, Früchte, Süßes). Man lag dabei auf Speisesofas (triclīnium), Ellenbogen gestützt.

Brot, Olivenöl und Wein (stark mit Wasser verdünnt) waren Grundnahrungsmittel für alle Schichten. Garum – fermentierte Fischsauce – war das Allzweckgewürz Roms, vergleichbar mit heutigem Worcestershiresauce oder Sojasoße.

Lūdī – Öffentliche Spiele

Die lūdī (Spiele) waren ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation: Magistrate finanzierten sie aus eigener Tasche, um Popularität zu gewinnen. Drei Haupttypen:

Kalender: Kalendae, Nōnae, Īdūs

Der römische Kalender hatte keine Tagesdurchnummerie­rung. Statt­dessen orientierte man sich an drei festen Punkten im Monat:

PunktLage im MonatErklärung
Kalendae1. TagMonatsanfang; Namensgeberin des Kalenders (calendārium)
Nōnae5. oder 7. Tag7. in März, Mai, Juli, Oktober; 5. in allen anderen Monaten
Īdūs13. oder 15. Tag15. in März, Mai, Juli, Oktober; 13. in allen anderen Monaten

Datierung: Man zählte rückwärts bis zum nächsten Festpunkt. ante diem quartum Īdūs Mārtias = 4 Tage vor den Iden des März = 11. März. Die berühmten „Iden des März" (15. März) – der Tag der Ermordung Caesars 44 v. Chr. – werden bei Sueton und Shakespeare erwähnt.

Plinius' Datumsangabe des Vesuvausbruchs (Epistulae VI,16): nōnum Kal. Septembrēs = 9 Tage vor den Kalenden des September = 24. August 79 n. Chr.