Gemischte Stämme (3. Deklination)

Gemischte Stämme sind maskuline und feminine i-Stämme der 3. Deklination. Sie bilden den Genitiv Plural auf -ium, aber den Ablativ Singular auf -e – daher „gemischt".

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Warum „gemischt"? Erkennungsmerkmale und zugehörige Wörter

Gemischte Stämme kombinieren Endungen aus zwei verschiedenen Klassen der 3. Deklination:

Gemischte Stämme sind immer maskulin oder feminin. Zwei Gruppen gehören dazu:

Gruppe Kennzeichen Häufige Wörter
Parisyllaba Nom.Sg. auf -is oder -ēs; Nom.Sg. und Gen.Sg. haben gleiche Silbenzahl nāvis (Schiff) · hostis (Feind) · cīvis (Bürger) · fīnis (Ende, Grenze) · collis (Hügel) · nūbēs (Wolke) · clādēs (Niederlage)
Einsilbige mit zwei Konsonanten Nom.Sg. einsilbig, endet auf zwei Konsonanten; trotzdem Gen.Pl. -ium nox (Nacht) · urbs (Stadt) · ars (Kunst) · mōns (Berg) · pōns (Brücke) · dēns (Zahn)

Paradigma: nāvis, nāvis f. (das Schiff) – Parisyllabum

Parisyllabisches Muster: Nom.Sg. und Gen.Sg. haben gleich viele Silben. Ablativ Singular auf -e (charakteristisch für gemischte Stämme); bei nāvis ist nāvī vereinzelt belegt, aber nāve überwiegt.

KasusSingularPlural
Nominativnāvisnāvēs
Genitivnāvisnāvium
Dativnāvīnāvibus
Akkusativnāvemnāvēs
Ablativnāvenāvibus

Paradigma: nox, noctis f. (die Nacht)

KasusSingularPlural
Nominativnoxnoctēs
Genitivnoctisnoctium
Dativnoctīnoctibus
Akkusativnoctemnoctēs / noctīs
Ablativnoctenoctibus

Abgrenzung: vier Typen der 3. Deklination im Vergleich

Die drei entscheidenden Endungen zur Unterscheidung sind Genitiv Plural, Akkusativ Singular und Ablativ Singular:

Typ Gen. Pl. Akk. Sg. Abl. Sg. Beispiel
Konsonantstämme -um -em -e rēx, rēgis · pater, patris
Gemischte Stämme -ium -em -e nāvis, nāvis · nox, noctis
Reine i-Stämme (m./f.) -ium -im turris, turris · sitis, sitis
i-Stämme (Neutra) -ium = Nom. mare, maris · animal, animālis

Kurzformel: Gemischte Stämme = i-Stamm-Gen.Pl. + Konsonantstamm-Akk./Abl. Nur der Genitiv Plural verrät die i-Stamm-Herkunft.

Sonderfälle der 3. Deklination

Einige Wörter der 3. Deklination folgen keinem der regulären Muster. Sie sollten einzeln gelernt werden.

vīs, vim, vī f. – Kraft, Gewalt

Defektiver Singular: nur Nominativ vīs, Akkusativ vim und Ablativ sind gebräuchlich; Genitiv und Dativ Singular kaum belegt. Der Plural ist regulär: Nom./Akk. vīrēs, Gen. vīrium, Dat./Abl. vīribus. Zu beachten: der Plural-Stamm vīr- ist vom Singular-Stamm vī- völlig verschieden.

bōs, bovis m./f. – Rind (Stier / Kuh)

Nom.Sg. bōs, Gen.Sg. bovis, Dat.Sg. bovī, Akk.Sg. bovem, Abl.Sg. bove. Plural: Nom./Akk. bovēs, Gen. boum (kurze Form; nicht bovium!), Dat./Abl. bōbus oder būbus.

Iuppiter, Iovis m. – Jupiter

Im Nominativ lautet der Name Iuppiter; alle übrigen Kasus verwenden den Stamm Iov-: Gen. Iovis, Dat. Iovī, Akk. Iovem, Abl. Iove. Der Nom./Vok. Iuppiter steht damit isoliert neben dem Stamm der Obliqua.

senex, senis m. – Greis, alter Mann

Nom.Sg. senex, Gen.Sg. senis (Stamm sen-). Vollständig: Gen. senis, Dat. senī, Akk. senem, Abl. sene; Pl.: Nom./Akk. senēs, Gen. senum, Dat./Abl. senibus. Der Nom.Sg. senex (Stamm senec-?) weicht von den obliquen Formen (sen-) ab – die Zuordnung ist im Wörterbuch zu prüfen.

iter, itineris n. – Weg, Reise, Marsch

Das Neutrum iter wechselt den Stamm: Nom./Akk.Sg. iter, aber in allen obliquen Kasus tritt der Stamm itiner- auf. Vollständig: Gen.Sg. itineris, Dat.Sg. itinerī, Abl.Sg. itinere; Pl.: Nom./Akk. itinera, Gen. itinerum, Dat./Abl. itineribus. Im Wörterbuch immer unter iter, itineris nachschlagen – der Nominativ allein lässt den Stamm nicht erkennen.

Typische Fehler

Quellen und Referenzgrammatiken