Spätantike

284–476 n. Chr. – Diocletians Tetrarchie, Konstantins Christianisierung und der langsame Zerfall des Weströmischen Reiches.

Zeittafel

JahrEreignis
284 n. Chr.Diocletian wird Kaiser; Ende der Soldatenkaiserzeit – Beginn der Spätantike
293Einführung der Tetrarchie: vier Kaiser (2 Augusti, 2 Caesares) regieren das Reich gemeinsam
301Edictum de pretiis rerum venalium: Maximaltarif-Edikt Diocletians – früher Versuch einer Preisregulierung
303–305Letzte große Christenverfolgung unter Diocletian
312Konstantin siegt an der Milvischen Brücke über Maxentius; überliefert: Vision des Kreuzes (in hoc signō vincēs)
313Mailänder Vereinbarung: Konstantin und Licinius gewähren freie Religionsausübung für alle – faktische Duldung des Christentums
325Konzil von Nicäa: Festlegung des christlichen Glaubensbekenntnisses; Verurteilung des Arianismus
382/405Hieronymus vollendet die Vulgata-Übersetzung (Bibel ins Lateinische) – Grundtext des abendländischen Christentums
380Edikt von Thessalonich: Theodosius erklärt das Nicänische Christentum zur Staatsreligion
395Endgültige Reichsteilung nach dem Tod des Theodosius in Ost- und Westreich
410Westgote Alarich plündert Rom – psychologischer Schock in der gesamten Mittelmeerwelt; Augustinus beginnt De civitate dei
430Tod des Augustinus in Hippo Regius (Nordafrika) – bedeutendster lateinischer Kirchenvater
455Vandalen plündern Rom; die Stadt verliert endgültig ihre imperiale Bedeutung
476Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch den Germanen Odoaker – traditionelles Ende der Antike

Schlüsselfiguren

Diocletian (ca. 244–311 n. Chr.)
Kaiser 284–305 n. Chr.; Stabilisator nach der Soldatenkaiserzeit. Seine Tetrarchie und die Verwaltungsreform modernisierten das Reich, doch die letzte Christenverfolgung belastete sein Erbe dauerhaft. Er dankte freiwillig ab – einer von wenigen Kaisern, denen das gelang.
Konstantin I. (der Große) (ca. 272–337 n. Chr.)
Erster christlicher Kaiser; verlegte die Residenz 330 n. Chr. nach Konstantinopel. Ob er persönlich Christ war, ist umstritten – seine Kirchenpolitik war eindeutig: Er subventionierte das Christentum, berief Konzile und gestaltete so das Gesicht der lateinischen Kirche.
Hieronymus (ca. 347–420 n. Chr.)
Kirchenvater und Bibelübersetzer; schuf die Vulgata, die für über tausend Jahre die maßgebliche lateinische Bibelübersetzung blieb. Sein Latein ist bewusst einfach (sermo humilis), orientiert an der Verständlichkeit – kein klassischer Stil, aber hochwirkungsvoll.
Augustinus (354–430 n. Chr.)
Bischof von Hippo, bedeutendster Theologe des Westens. Seine Confessiones (Bekenntnisse) sind ein einzigartiges Selbstzeugnis der Antike; De civitate dei (Über den Gottesstaat) reagiert auf die Plünderung Roms 410. Sein Latein vereint spätantike Bildung mit christlicher Theologie.

Verbindung zur lateinischen Literatur

Die Spätantike ist die Epoche des Kirchenlateins: Hieronymus übersetzt die Bibel, Augustinus schreibt Theologie und Autobiographie, Ambrosius von Mailand verfasst Hymnen und Predigten. Das klassische Latein wird von diesen Autoren aktiv gepflegt, aber für neue Inhalte – Theologie, Eschatologie, Bibelauslegung – weiterentwickelt. Für das Latinum sind besonders die Vulgata-Texte relevant: ihr Latein weicht bewusst vom klassischen Ideal ab (Hebraismen, parataktischer Stil, quod statt AcI), was besondere grammatische Aufmerksamkeit erfordert.

Textbeispiele aus dem Antike-Bereich