Die Bürgerkriege
133–27 v. Chr. – Von den Gracchen-Reformen bis zur Machtübernahme des Octavian: ein Jahrhundert innerer Zerreißproben, aus dem die Kaiserherrschaft hervorging.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 133 v. Chr. | Tiberius Gracchus als Volkstribun; Ackerreform (lēx Semprōnia agrāria); Ermordung durch Senatoren |
| 123–121 | Gaius Gracchus: Getreidgesetz, Provinzgesetz, Ritterstand als Gerichtsherren; Ermordung auf dem Aventin |
| 107–100 | Marius: sieben Konsulate, Heeresreform (Berufsarmee aus Besitzlosen – capite cēnsī); Sieg über Jugurtha und Germanen |
| 91–89 | Bundesgenossenkrieg (bellum sociāle): italische Verbündete erkämpfen das römische Bürgerrecht |
| 88–82 | Sulla: erster Marsch eines Heeres auf Rom; Diktatur; Proskriptionslisten; Blutbad unter politischen Gegnern |
| 79/78 | Sulla legt die Diktatur nieder und stirbt – einziger Diktator in der Geschichte Roms, der freiwillig abdankte |
| 73–71 | Spartacus-Aufstand: größter Sklavenaufstand der Antike; Niederschlagung durch Crassus; Kreuzigung von 6.000 Sklaven an der Via Appia |
| 63 | Catilinarische Verschwörung; Cicero als Konsul deckt sie auf; Hinrichtung ohne Prozess; spätere Verbannung Ciceros |
| 60 | Erstes Triumvirat (Caesar, Pompeius, Crassus): informelle Machtaufteilung außerhalb der Verfassung |
| 49 | Caesar überschreitet den Rubikon (ālea iacta est); Bürgerkrieg gegen Pompeius beginnt |
| 48 | Pharsalos: Caesar besiegt Pompeius; Pompeius flieht nach Ägypten und wird dort ermordet |
| 44 | Ermordung Caesars an den Iden des März (15. März) durch Brutus, Cassius und Verbündete |
| 43 | Zweites Triumvirat (Octavian, Antonius, Lepidus); Proskriptionen; Tod Ciceros am 7. Dezember 43 |
| 31 | Seeschlacht bei Actium: Octavian besiegt Antonius und Kleopatra; Alleinherrschaft Octavians |
| 27 | Octavian erhält vom Senat den Ehrennamen Augustus; Beginn des Prinzipats |
Schlüsselfiguren
- Gaius Marius (157–86 v. Chr.)
- Sieben Mal Konsul – ein Rekord –, Retter Roms vor Kimbern und Teutonen; seine Heeresreform schuf loyale Soldaten, die ihrem Feldherrn, nicht dem Staat verpflichtet waren. Diese Verschiebung ermöglichte erst Sullas und dann Caesars Marsch auf Rom.
- Lucius Cornelius Sulla (138–78 v. Chr.)
- Feldherr und Diktator; legte als erster ein römisches Heer auf die eigene Hauptstadt an; führte die Proskription als Instrument politischer Vernichtung ein. Seine Diktatur (82–79 v. Chr.) sollte die Republik stärken – in Wirklichkeit unterhöhlte er die republikanischen Normen dauerhaft.
- Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.)
- Als Konsul Retter der Republik vor Catilina; als Schriftsteller deren literarisches Gewissen; als Opfer der Proskriptionen ihr letzter großer Märtyrer. Seine Philippischen Reden gegen Antonius kosteten ihn das Leben.
- Gaius Iulius Caesar (100–44 v. Chr.)
- Feldherr, Politiker und Schriftsteller; sein Bericht über den Gallischen Krieg ist das meistgelesene Latein-Prosa-Werk. Als Diktator auf Lebenszeit stand er kurz vor einer Monarchie – was die Verschwörer zu seiner Ermordung trieb.
- Gaius Octavius / Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.)
- Caesars Großneffe und Adoptivsohn; gewann nach dem Tod Caesars durch politisches Geschick und militärische Erfolge die Alleinherrschaft. Indem er die republikanischen Formen bewahrte und doch Alleinherrscher war, schuf er das Modell des Prinzipats.
Verbindung zur lateinischen Literatur
Die Bürgerkriegszeit ist das Thema zweier Schullektüre-Klassiker: Sallust schreibt über Catilina (63 v. Chr.) und Iugurtha als exemplarische Fälle des moralischen Verfalls; sein prägnanter brevitas-Stil ist selbst ein Kommentar zur Krise. Ciceros Reden (Catilinaria I–IV, Philippicae) entstehen mitten in den Ereignissen. Caesars Bellum civile ist Propaganda in sachlichem Gewand. Lucan (Pharsalia, 1. Jh. n. Chr.) verherrlicht posthum Pompeius als tragischen Helden.