Das Parisurteil
Textskriptum Nr. 17 · weiterer Prüfungstext · Schwierigkeit: mittel–schwer
Einleitung
Die Göttin der Zwietracht Eris warf auf der Hochzeit von Thetis und Peleus einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „für die Schönste" unter die Gäste. Drei Göttinnen beanspruchten ihn: Juno, Venus und Minerva. Jupiter übertrug die Entscheidung dem trojanischen Prinzen Paris – mit weitreichenden Folgen für den Trojanischen Krieg.
Quelle: Textskriptum Nr. 17 (weiterer Prüfungstext). Nach Hyginus, Fabulae. Gemeinfreie Vorlage.
Lateinischer Text
Wortschatz-Hilfen
| Wort / Wendung | Bedeutung |
|---|---|
| nuberet | heiratete (Konj. Impf. von nubere + Dat.) |
| ad epulum convocavisse | zum Festmahl eingeladen zu haben (AcI, Perf.-Inf.) |
| excepta Eride | mit Ausnahme der Eris (PPP, Abl. abs.) |
| supervenisset | nachträglich erschienen war (Konj. Plqpf.) |
| misit in medium malum | warf einen Apfel in die Mitte |
| ut … attolleret | die Schönste möge ihn aufheben (indir. Befehl) |
| formam sibi vindicare | die Schönheit für sich beanspruchen |
| si … iudicavisset … regnaturum (esse) | wenn er … geurteilt hätte, werde er herrschen (AcI + Fut.-Inf.) |
| donum posterius prioribus anteposuit | zog das spätere Geschenk den früheren vor |
| Troianis fuerunt infestae | waren den Trojanern feindlich gesinnt |
| impulsu Veneris | auf Antrieb der Venus (Abl.) |
| in coniugio habuit | hielt als (seine) Frau, lebte mit ihr zusammen |
Grammatische Hinweise
- dicitur Iuppiter … convocavisse: AcI nach passivem Aussageverb (dicitur) mit Perfekt-Infinitiv.
- excepta Eride: Ablativus absolutus mit PPP (konzessiv/modal: „abgesehen von Eris").
- dixitque, ut … attolleret: indirekter Befehl (dicere + ut + Konj. Impf.).
- si secundum sē iudicavisset, … regnaturum (esse): Bedingungssatz in indirekter Rede (Oratio obliqua): Futur II → Konj. Plqpf.; Futur I → Futur-Infinitiv im AcI.
- Veneremque pulcherrimam esse iudicavit: AcI nach iudicavit mit Prädikativum im Superlativ.
Übersetzungen
Wörtliche Übersetzung
Als Thetis, die Tochter des Jupiter, Peleus heiratete, soll Jupiter alle Götter zum Festmahl eingeladen haben außer Eris, das heißt der Zwietracht. Als diese später dazukam und nicht zum Festmahl zugelassen wurde, warf sie von der Tür aus einen Apfel in die Mitte und sagte, die Schönste solle ihn aufheben. Also begannen Juno, Venus und Minerva die Schönheit für sich zu beanspruchen. Unter ihnen entstand große Zwietracht; Jupiter befahl Merkur, sie auf dem Berg Ida zu Paris zu geleiten und ihn zu beauftragen, das Urteil zu sprechen. Juno versprach ihm, wenn er zu ihren Gunsten urteile, werde er in allen Ländern herrschen; Minerva, wenn sie als Siegerin von dort scheide, werde er der Tapferste unter den Sterblichen sein. Venus aber versprach, Helena, die Schönste aller Frauen, ihm zur Frau zu geben. Paris zog das spätere Geschenk den früheren vor und urteilte, Venus sei die Schönste. Deswegen waren Juno und Minerva den Trojanern feindlich gesinnt. Paris entführte auf Betreiben der Venus Helena von Sparta nach Troja und lebte mit ihr zusammen.
Idiomatische Übersetzung
Bei der Hochzeit von Thetis und Peleus lud Jupiter alle Götter ein – nur Eris, die Göttin der Zwietracht, nicht. Eris erschien trotzdem und warf einen goldenen Apfel ins Festmahl: „Für die Schönste." Juno, Venus und Minerva stritten sofort darum. Jupiter übertrug die Entscheidung dem Trojaner Paris auf dem Berg Ida. Juno bot Weltherrschaft, Minerva militärische Überlegenheit – Venus bot Helena, die schönste Frau der Welt. Paris wählte Venus' Angebot. Die beleidigten Göttinnen Juno und Minerva wurden zu Feinden Trojas. Paris entführte Helena aus Sparta – der Trojanische Krieg hatte seinen Ursprung.
Übungsfragen
- Erkläre dicitur Iuppiter … convocavisse: Konstruktion und Zeitverhältnis.
- Was bedeutet dixitque, ut … attolleret? Erkläre Modus und Zeitform.
- Analysiere die Bedingungssätze in indirekter Rede (si … iudicavisset … regnaturum).
- Welche Versprechen machen die drei Göttinnen? Ordne sie nach Paris' Wahl.
- Welche Folgen hat das Parisurteil für Troja (laut Text)?