Satzarten

Lateinische Sätze lassen sich nach ihrer kommunikativen Funktion in vier Grundarten einteilen: Aussagesätze, Fragen, Befehle und indirekte Rede. Die Unterscheidung ist entscheidend für das Übersetzen und die Textanalyse.

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Was sind Satzarten?

Satzarten sind Satztypen, die sich nach ihrer kommunikativen Funktion – also danach, was mit einem Satz bezweckt wird – unterscheiden. Dieselben Wörter können je nach Satzart eine völlig andere Bedeutung und grammatische Gestalt annehmen.

SatzartFunktionVerbmodusSatzzeichen
Aussagesatz (enuntiatio)Feststellung, TatsacheIndikativ (Kj. möglich)Punkt
Fragesatz (interrogatio)InformationsgewinnIndikativ (direkt)Fragezeichen
Befehlssatz (imperatio)Aufforderung, VerbotImperativ / KonjunktivAusrufezeichen
Indirekte Rede (oratio obliqua)Wiedergabe fremder WorteInfinitiv / KonjunktivPunkt

Aussagesatz (enuntiatio)

Im Aussagesatz wird eine Tatsache, Feststellung oder Meinung mitgeteilt. Das Verb steht in der Regel im Indikativ. Je nach Satzbau unterscheidet man:

Einfacher Hauptsatz

Ein einzelner Satz, der für sich allein steht und vollständig Sinn ergibt.

Satzreihe (parataxis)

Mehrere gleichrangige Hauptsätze werden nebeneinander gestellt, oft durch koordinierende Konjunktionen verbunden.

Satzgefüge (hypotaxis)

Ein Hauptsatz ist mit einem oder mehreren Nebensätzen verbunden. Der Nebensatz ist dem Hauptsatz unter­geordnet und trägt ergänzende Information.

Fragesatz (interrogatio)

Mit dem Fragesatz will der Sprecher eine Information erhalten. Im Lateinischen unterscheidet man direkte und indirekte Fragen sowie die Art der erwarteten Antwort.

Direkte Fragen

Das Verb steht im Indikativ. Charakteristisch sind Fragepartikeln, die dem ersten Wort angehängt werden oder dem Satz voranstehen:

PartikelErwartete AntwortBeispielÜbersetzung
-neoffen (ja oder nein)Videsne me?Siehst du mich?
nonneJa-Antwort erwartetNonne me vidēs?Du siehst mich doch, oder?
numNein-Antwort erwartetNum me vidēs?Du siehst mich doch nicht etwa?

Indirekte Fragen

Die indirekte Frage ist ein Nebensatz im Konjunktiv, eingeleitet durch ein Interrogativpronomen oder -adverb. Sie gibt eine Frage als Teil eines übergeordneten Satzes wieder.

Befehlssatz (imperatio)

Befehlssätze drücken eine Aufforderung, einen Wunsch oder ein Verbot aus. Im Lateinischen stehen dafür mehrere grammatische Formen zur Verfügung:

Imperativ – direkte Aufforderung (2. Person)

Hortativ – Aufforderung an „wir" (1. Person Plural)

Konjunktiv Präsens Aktiv, 1. Person Plural; Verneinung mit ne.

Jussiv – Aufforderung an „er/sie/es/sie" (3. Person)

Konjunktiv Präsens, 3. Person; Verneinung mit ne.

Prohibitiv – Verbot (2. Person, gehoben)

Ne + Konjunktiv Perfekt (statt Imperativ); typisch für gehobene Sprache und Poesie.

Hauptsatz und Nebensatz

Unabhängig von der Satzart unterscheidet man nach dem Grad der Selbstständigkeit zwischen Haupt- und Nebensatz.

Hauptsatz (propositio principalis)

Der Hauptsatz ist syntaktisch selbstständig: Er ergibt allein vollständigen Sinn und ist nicht von einem übergeordneten Satz abhängig. Das Verb steht im Indikativ oder Imperativ (bei direkter Rede bzw. Befehl).

Nebensatz (propositio subordinata)

Der Nebensatz ist von einem Hauptsatz abhängig und kann nicht allein stehen. Erkennungsmerkmale: