Römische Religion

Der römische Staatskult war kein privater Glaube, sondern eine öffentliche Pflicht: pietās bedeutete die korrekte Ausübung der religiösen Handlungen, nicht innere Überzeugung.

Staatskult und pietās

Die römische Religion war primär eine des Handelns, nicht des Glaubens. Im Zentrum stand der Gedanke des pāx deōrum (Friede mit den Göttern): Solange die rituellen Pflichten (officia) korrekt erfüllt wurden, würden die Götter dem Staat gewogen bleiben. Versäumnisse im Kult galten als Ursache öffentlicher Katastrophen.

Priesterkollegien

Die Priester Roms waren keine Berufsgeistlichen, sondern Magistrate mit kultischen Zusatzfunktionen – oft gleichzeitig Senatoren und Redner. Die wichtigsten Kollegien:

Die zwölf olympischen Götter (interpretātiō Graeca)

Rom übernahm das griechische Götterpantheon (interpretātiō Graeca): Griechische Götter wurden mit römischen Göttern identifiziert, ihre Mythen und Bilder übernommen. Das erlaubte eine reiche Bildungs- und Literaturkultur, ohne den Staatskult zu erschüttern.

Röm. NameGriech. NameFunktion
IuppiterZeusKönig der Götter, Himmelsgott, Hüter der Verträge
IūnōHeraGöttin der Ehe und der Frauen; Schutzgöttin Roms
MārsAresKriegsgott; Vater des Romulus – besonders in Rom verehrt
MinervaAtheneGöttin der Weisheit, des Handwerks und des gerechten Krieges
VenusAphroditeGöttin der Liebe; Ahnfrau des iulischen Geschlechts (Caesar, Augustus)
MercuriusHermesGötterbote, Gott des Handels und der Reisenden
ApollōApollonGott der Künste, der Weissagung und der Heilung; Schutzgott des Augustus
DiānaArtemisGöttin der Jagd und des Mondes; Zwillingsschwester Apollos
VestaHestiaGöttin des Herdfeuers; ihr ewiges Feuer = Lebenskraft Roms
NeptūnusPoseidonGott des Meeres und der Erdbeben
VulcānusHephaistosGott des Feuers und der Schmiedekunst
CerēsDemeterGöttin des Getreides und der Fruchtbarkeit; besonders von der Plebs verehrt

Kaiserkult und orientalische Religionen

In der Kaiserzeit entstanden neue Formen der Frömmigkeit: Der verstorbene Kaiser wurde nach dem Tod als dīvus vergöttlicht; im östlichen Teil des Reiches wurde er bereits zu Lebzeiten kultisch verehrt. Daneben breiteten sich orientalische Mysterienreligionen aus – Isis-Kult (Ägypten), Mithraskult (Iran), Christentum (Palästina) –, die persönliche Erlösung, Jenseitshoffnung und moralische Gemeinschaft versprachen, was der Staatskult nicht bot.