Das Trojanische Pferd

Textskriptum Nr. 14 · weiterer Prüfungstext · Schwierigkeit: mittel

Einleitung

Nach zehn Jahren erfolgloser Belagerung griffen die Griechen (Achivi / Danai) zur List: Sie bauten ein riesiges hölzernes Pferd, versteckten ihre besten Krieger darin und täuschten den Abzug vor. Die Trojaner zogen das Pferd in die Stadt – und besiegelten damit ihr Schicksal.

Quelle: Textskriptum Nr. 14 (weiterer Prüfungstext). Nach Hyginus, Fabulae. Gemeinfreie Vorlage.

Lateinischer Text

Achivi cum per decem annos Troiam capere non possent, Epeus monitu Minervae equum mirae magnitudinis ligneum fecit; eoque sunt collecti fortissimi Achivi. In equo scripserunt: „Danai Minervae dono dant²³", castraque transtulerunt Tenedo²⁴. Id Troiani cum viderunt, arbitrati sunt hostes abisse. Priamus equum in arcem Minervae duci imperavit. Cassandra autem cum vociferaretur inesse hostes, fides ei habita non est. Cum Troiani igitur equum in arce posuissent et ipsi lusu atque vino lassi obdormissent²⁵, Achivi ex equo aperto exierunt et portarum custodes occiderunt sociosque signo dato receperunt et Troia sunt potiti. ²³ dono dare: als Geschenk geben ²⁴ Tenedo (Dat. des Ziels): nach Tenedos (Insel nahe Troja) ²⁵ Kurzform für: obdormivissent

Wortschatz-Hilfen

Wort / WendungBedeutung
mirae magnitudinisvon wunderbarer Größe (Gen. qualitatis)
ligneushölzern, aus Holz
dono dareals Geschenk geben, schenken (Dativus finalis)
castra transtulerunt Tenedoverlegten das Lager nach Tenedos (Dat. des Ziels)
arbitrati sunt hostes abisseglaubten, die Feinde seien abgezogen (AcI)
in arcem … duci imperavitbefahl, (es) in die Burg zu bringen (AcI im Passiv)
vociferareturschrie, rief laut (Deponens: vociferari)
inesse hostesdass Feinde darin seien (AcI)
fides ei habita non estihr wurde kein Glaube geschenkt (Passiv)
lusu atque vino lassiermüdet durch Spiel und Wein (Abl. causae)
signo datonachdem das Zeichen gegeben worden war (Abl. abs.)
Troia potiti suntbemächtigten sich Trojas (Deponens: potiri + Abl.)

Grammatische Hinweise

Übersetzungen

Wörtliche Übersetzung

Als die Griechen Troja zehn Jahre lang nicht einnehmen konnten, baute Epeus auf den Rat der Minerva ein hölzernes Pferd von wunderbarer Größe; in diesem wurden die tapfersten Griechen versammelt. In das Pferd schrieben sie: „Die Griechen schenken dies der Minerva," und verlegten ihr Lager nach Tenedos. Als die Trojaner das sahen, glaubten sie, die Feinde seien abgezogen. Priamos befahl, das Pferd in die Burg der Minerva zu bringen. Als aber Kassandra laut schrie, im Innern seien Feinde, wurde ihr kein Glaube geschenkt. Als die Trojaner das Pferd also in der Burg aufgestellt hatten und sie selbst durch Spiel und Wein erschöpft eingeschlafen waren, traten die Griechen durch das geöffnete Pferd heraus, töteten die Torwächter, empfingen ihre Bundesgenossen, nachdem das Zeichen gegeben worden war, und bemächtigten sich Trojas.

Idiomatische Übersetzung

Zehn Jahre lang konnten die Griechen Troja nicht einnehmen. Auf Rat der Göttin Athene/Minerva bauten sie ein riesiges hölzernes Pferd, versteckten ihre besten Krieger darin und hinterließen die Inschrift: „Ein Geschenk der Griechen an Minerva." Dann täuschten sie den Abzug vor. Die Trojaner fielen auf die List herein: Kassandras Warnung wurde niemand geglaubt. Das Pferd wurde in die Burg geschafft. Beim anschließenden Siegesfest schliefen die Trojaner ein. Die Griechen öffneten das Pferd, töteten die Torwächter, ließen ihre Schiffe zurückrufen – und Troja fiel.

Übungsfragen

  1. Erkläre cum … non possent … fecit: Art des cum-Satzes, Modus, Zeitform.
  2. Was bedeutet Danai Minervae dono dant? Erkläre alle Dative.
  3. Analysiere arbitrati sunt hostes abisse: Welcher Infinitiv steht im AcI?
  4. Warum glaubte niemand Kassandra (Satz mit vociferaretur)?
  5. Beschreibe den Ablauf des Falls von Troja anhand des Textes in eigenen Worten.