Gerundium und Gerundivum
Das Gerundium ist ein verbales Substantiv (unflektiert nach Genera); das Gerundivum ist ein verbales Adjektiv mit passiver, meist obligatorischer Bedeutung. Beide werden vom Präsensstamm gebildet.
Nach dieser Seite können Sie …
- Gerundium und Gerundivum bilden und voneinander abgrenzen
- Gerundium (verbal-nominale Verwendung) korrekt einsetzen
- die Gerundivkonstruktion als Ersatz für Gerundium + Akkusativobjekt anwenden
- das Gerundivum der Notwendigkeit (Coniugatio periphrastica passiva) bilden und übersetzen
Gerundium
Das Gerundium ist ein Verbalnomen: Es bezeichnet die Handlung selbst und wird nur im Singular dekliniert (kein Nom., keine Pl.-Formen).
Bildung: Präsensstamm + -nd- + Endung der o-Deklination.
| Kasus | Endung | Beispiel (amāre) | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| Gen. | -ndī | amandī | des Liebens |
| Dat. | -ndō | amandō | dem Lieben |
| Akk. | -ndum | amandum | das Lieben |
| Abl. | -ndō | amandō | durch / beim Lieben |
Ars scribendī – die Kunst des Schreibens. | Discimus legendō. – Wir lernen durch Lesen.
Gerundivum
Das Gerundivum ist ein passives Verbaladjektiv und wird dekliniert wie ein Adjektiv der a-/o-Deklination (-ndus, -nda, -ndum).
Bildung: Präsensstamm + -ndus/-nda/-ndum.
- liber legendus – das zu lesende Buch (attributiv)
- Liber legendus est. – Das Buch muss gelesen werden. (prädikativ: Notwendigkeit)
- Carthāgō dēlenda est. – Karthago muss zerstört werden. (berühmtes Beispiel)
Zusammen mit dem Dativ der Person ergibt sich die Konstruktion des Gerundivums: Mihi liber legendus est. – Ich muss das Buch lesen (wörtlich: das Buch ist mir zu lesen).