Glossar grammatischer Fachbegriffe
Alphabetisches Verzeichnis der wichtigsten lateinischen Grammatikbegriffe – mit Kurzdefinition, Beispiel und Link zur ausführlichen Themenseite.
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A
Ablativ
Der Ablativ ist der sechste Kasus im Lateinischen und hat keine direkte Entsprechung im Deutschen. Er übernimmt sehr viele Funktionen: Herkunft/Trennung, Mittel, Begleitung, Art und Weise, Ursache, Zeit und Ort (bei Städten).
Beispiel: gladiō vulnerātus – „mit dem Schwert verwundet" (Ablativus instrumenti)
Ablativus absolutus
Der Ablativus absolutus (Abl. abs.) ist eine selbstständige Partizipialkonstruktion im Ablativ: ein Substantiv oder Pronomen steht mit einem Partizip im Ablativ, ohne syntaktisch vom Hauptsatz abhängig zu sein. Er drückt meist Gleichzeitigkeit oder Vorzeitigkeit aus (Zeit, Bedingung, Ursache, Begleitung).
Beispiel: hostibus victīs, Rōmānī laetī erant – „nachdem die Feinde besiegt worden waren, waren die Römer froh"
Ablativus causae
Der Ablativus causae gibt den Grund oder die Ursache einer Handlung an, ohne Präposition. Er steht häufig bei Partizipien oder Adjektiven, die innere Zustände beschreiben.
Beispiel: timōre fugit – „er flieht aus Furcht"
Ablativus instrumenti
Der Ablativus instrumenti (auch: Ablativus separationis auctoris) bezeichnet das Mittel oder Werkzeug einer Handlung; er steht präpositionslos. Beim Passiv ist der handelnde Mensch durch ā/ab + Ablativ ausgedrückt.
Beispiel: penna scrībit – „er schreibt mit einer Feder"
Ablativus modi
Der Ablativus modi gibt die Art und Weise einer Handlung an und entspricht im Deutschen oft einem Adverb oder einer Präpositionalfügung mit „mit". Er steht in festen Wendungen gewöhnlich ohne Präposition, sonst mit cum.
Beispiel: magnā cum cūrā laborāvit – „er arbeitete mit großer Sorgfalt"
Ablativus qualitatis
Der Ablativus qualitatis beschreibt eine (meist bleibende äußere) Eigenschaft und steht immer mit einem Adjektiv-Attribut. Er konkurriert mit dem Genitivus qualitatis; der Ablativ bezeichnet eher körperliche, äußere Merkmale.
Beispiel: vir magnā virtūte – „ein Mann von großer Tapferkeit"
Ablativus separationis
Der Ablativus separationis drückt räumliche oder übertragene Trennung aus, häufig bei Verben des Trennens, Befreiunguns, Mangels und Beraubens. Er steht meist präpositionslos, bei Städten und Ortsnamen ohne Präposition.
Beispiel: patriā expulsus est – „er wurde aus der Heimat vertrieben"
Ablativus temporis
Der Ablativus temporis gibt den Zeitpunkt oder eine Zeitdauer an. Ohne Präposition steht er bei Zeitangaben, die einen Zeitpunkt kennzeichnen (meist mit Adjektiv); mit Präposition bei allgemeineren Zeitangaben.
Beispiel: primā lūce profectus est – „er brach beim ersten Tageslicht auf"
AcI – Accusativus cum Infinitivo
Der AcI ist die häufigste Konstruktion der indirekten Rede im Lateinischen: das logische Subjekt des Nebensatzes steht im Akkusativ, das Prädikat als Infinitiv. Er folgt auf Verben des Sagens, Denkens, Fühlens, Wahrnehmens und Wollens.
Beispiel: Dīcō Rōmam magnam urbem esse – „Ich sage, dass Rom eine große Stadt ist"
Adjektiv
Das Adjektiv (nōmen adiectīvum) beschreibt oder bestimmt ein Substantiv genauer. Es richtet sich in Genus, Kasus und Numerus nach dem Bezugswort (Kongruenz) und wird entweder attributiv (beim Substantiv) oder prädikativ (ohne direkten Bezug) verwendet.
Beispiel: puella laeta – „das fröhliche Mädchen" (attributiv)
Adverb
Das Adverb (adverbium) ist eine unveränderliche Wortart, die ein Verb, ein Adjektiv oder ein anderes Adverb näher bestimmt. Lateinische Adverbien werden häufig regelmäßig von Adjektiven abgeleitet (1./2. Deklination: Stamm + -ē; 3. Deklination: Stamm + -iter).
Beispiel: fortiter pugnāvit – „er kämpfte tapfer"
Adverbiale Bestimmung
Die adverbiale Bestimmung ist ein Satzglied, das die näheren Umstände des Prädikats beschreibt: Zeit, Ort, Ursache, Mittel, Art und Weise u. a. Im Lateinischen wird sie durch Adverbien, Präpositionalgruppen oder Kasus (Ablativ, seltener Akkusativ) ausgedrückt.
Beispiel: Rōmae habitābat – „er wohnte in Rom" (lokale adverbiale Bestimmung)
Akkusativ
Der Akkusativ ist der vierte Kasus und bezeichnet in erster Linie das direkte Objekt eines transitiven Verbs. Daneben steht er nach bestimmten Präpositionen (in, ad, per, ante, post u. a.) und als Akkusativ der Ausdehnung in Raum und Zeit.
Beispiel: Rōmam amat – „er liebt Rom" (Akkusativobjekt)
Aktiv
Das Aktiv (genus āctīvum) ist die Grundform des Verbs: das grammatische Subjekt führt die Handlung selbst aus. Im Gegensatz zum Passiv steht beim Aktiv der Handelnde im Vordergrund.
Beispiel: puer librum legit – „der Knabe liest das Buch"
Attribut
Das Attribut ist eine Erweiterung, die ein Substantiv näher bestimmt. Es kann ein Adjektiv, ein Genitiv, ein Partizip oder ein Relativsatz sein. Im Lateinischen kongruiert das adjektivische Attribut mit seinem Bezugswort in Genus, Kasus und Numerus.
Beispiel: vir fortis – „der tapfere Mann" (adjektivisches Attribut)
B
Bedingungssatz (Konditionalsatz)
Der Bedingungssatz wird durch sī (wenn) oder nisi (wenn nicht, außer wenn) eingeleitet. Je nach Realmodus (Indikativ) oder Irrealmodus (Konjunktiv Imperfekt/Plusquamperfekt) unterscheidet man reale, potenzielle und irreale Bedingungen.
Beispiel: Sī Rōmam venīs, mē vidēbis – „Wenn du nach Rom kommst, wirst du mich sehen" (real)
C
Coniugatio periphrastica activa
Die Coniugatio periphrastica activa besteht aus dem Futurpartizip (PPF, Endung -ūrus/-a/-um) + einer Form von esse. Sie drückt eine bevorstehende, beabsichtigte oder schicksalsmäßige Handlung aus.
Beispiel: scriptūrus sum – „ich bin im Begriff zu schreiben / ich werde schreiben"
Coniugatio periphrastica passiva
Die Coniugatio periphrastica passiva besteht aus dem Gerundivum + einer Form von esse. Sie drückt eine Notwendigkeit oder Verpflichtung aus und hat passiven Sinn; der Handelnde steht im Dativ.
Beispiel: epistula scrībenda est – „der Brief muss geschrieben werden"
Consecutio temporum
Die Consecutio temporum (Zeitenfolge) regelt, welches Konjunktiv-Tempus in einem Nebensatz steht, abhängig vom Tempus des Hauptsatzes. Nach Hauptzeit (Präsens, Futur) stehen Konjunktiv Präsens/Perfekt; nach Nebenzeit (Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt) stehen Konjunktiv Imperfekt/Plusquamperfekt.
Beispiel: rogat, quid faciat – „er fragt, was er tun soll" (Hauptzeit → Konj. Präs.)
cum-Satz
Die Konjunktion cum leitet verschiedene Arten von Nebensätzen ein: temporal (als, wenn), kausal (da, weil), konzessiv (obwohl) und adversativ (während). Mit Konjunktiv ist cum häufig kausal oder konzessiv; mit Indikativ eher temporal-gleichzeitig.
Beispiel: Cum Caesar vēnisset, mīlitēs laetī erant – „Als Caesar gekommen war, waren die Soldaten froh" (temporal + Konj. Plqpf.)
D
Dativ
Der Dativ ist der dritte Kasus und bezeichnet vor allem das indirekte Objekt (den Empfänger oder Betroffenen einer Handlung). Darüber hinaus steht er beim Dativus commodi/incommodi und als Dativus finalis sowie bei bestimmten Adjektiven und Verben.
Beispiel: puellae librum dat – „er gibt dem Mädchen das Buch"
Dativus commodi
Der Dativus commodi (Dativ des Vorteils/Nachteils) gibt an, für wen oder zu wessen Vor- oder Nachteil etwas geschieht. Er steht als freie Erweiterung ohne syntaktische Notwendigkeit und entspricht im Deutschen oft „für jemanden".
Beispiel: patriae vīvit – „er lebt für die Heimat"
Dativus finalis
Der Dativus finalis (Zweckdativ) bezeichnet den Zweck oder das Ziel, dem etwas dient. Er tritt häufig mit dem Dativus commodi zum Doppeldativ zusammen.
Beispiel: auxilio vēnit – „er kam zur Hilfe / er kam, um zu helfen"
Deklination
Deklination bezeichnet die Beugung von Nomen, Adjektiven, Pronomina und Numeralien nach Kasus und Numerus (und indirekt Genus). Das Lateinische kennt fünf Deklinationsklassen, denen Substantive je nach Stammauslaut zugeordnet werden.
Beispiel: puella – puellae – puellae – puellam – puellā (a-Deklination, Sg.)
Deponens
Ein Deponens ist ein Verb, das nur passive Formen hat, aber aktive Bedeutung trägt. Das Partizip Perfekt des Deponens hat aktive Bedeutung; das Partizip Präsens und das Gerundivum verhalten sich wie bei normalen Verben.
Beispiel: loquī (sprechen), locūtus sum – „ich habe gesprochen"
Doppelter Akkusativ
Einige Verben (besonders docēre, rogāre, cēlāre, orāre u. a.) verlangen zwei Akkusative: einen für die Person und einen für die Sache. Bei der Passiv-Umformung bleibt der Sachakkusativ erhalten.
Beispiel: puer mē Latīnam linguam docet – „der Knabe lehrt mich die lateinische Sprache"
F
Finalsatz
Der Finalsatz drückt einen Zweck oder eine Absicht aus und steht mit ut (positiv) oder nē (negativ) + Konjunktiv. Das Tempus richtet sich nach der Consecutio temporum; nach Hauptzeit steht Konjunktiv Präsens, nach Nebenzeit Konjunktiv Imperfekt.
Beispiel: Vēnit, ut tē vidēret – „Er kam, damit er dich sehen konnte"
Futur I
Das Futur I (Futurum) bezeichnet eine zukünftige Handlung. Es wird in der 1. und 2. Konjugation mit dem Suffix -b- gebildet (amābō), in der 3. und 4. Konjugation mit -a-/-e- (legam, audiam).
Beispiel: crās Rōmam veniam – „morgen werde ich nach Rom kommen"
→ Tempora
Futur II
Das Futur II (Futurum exactum) bezeichnet eine Handlung, die zu einem zukünftigen Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird. Im Deutschen entspricht es oft dem Perfekt in einem Zukunftssatz. Im Nebensatz nach cum, sī und Relativsätzen steht es oft, wo das Deutsche das Präsens verwendet.
Beispiel: Cum Rōmam vēnerō, tē vidēbō – „Wenn ich nach Rom gekommen bin, werde ich dich sehen"
→ Tempora
G
Genitiv
Der Genitiv ist der zweite Kasus und bezeichnet vor allem die Zugehörigkeit oder Zuordnung. Er steht als Attribut beim Substantiv und nach bestimmten Verben und Adjektiven. Wichtige Untertypen sind der Genitivus subiectivus, obiectivus, partitivus und qualitatis.
Beispiel: domus patris – „das Haus des Vaters" (Genitivus possessivus)
Genitivus obiectivus
Der Genitivus obiectivus bezeichnet das Objekt einer im Substantiv enthaltenen Handlung: das Substantiv im Genitiv ist der logische Empfänger oder das Ziel der Handlung.
Beispiel: amor patriae – „die Liebe zur Heimat" (die Heimat ist das Objekt der Liebe)
Genitivus partitivus
Der Genitivus partitivus bezeichnet das Ganze, von dem ein Teil gemeint ist. Er steht bei Mengenangaben, Zahlwörtern, Superlativem und bestimmten Pronomen.
Beispiel: multī mīlitum – „viele der Soldaten"
Genitivus qualitatis
Der Genitivus qualitatis beschreibt eine innere (geistige oder charakterliche) Eigenschaft und steht immer mit einem Adjektiv-Attribut. Er konkurriert mit dem Ablativus qualitatis.
Beispiel: vir magnī animī – „ein Mann von großem Mut"
Genitivus subiectivus
Der Genitivus subiectivus bezeichnet das Subjekt einer im Substantiv enthaltenen Handlung: das Substantiv im Genitiv ist der logische Urheber der Handlung.
Beispiel: adventus Caesaris – „die Ankunft Caesars" (Caesar kommt an)
Gerundium
Das Gerundium ist ein verbales Substantiv (Neutrum Singular), das nur in den obliquen Kasus vorkommt: Genitiv, Dativ, Akkusativ (nach Präpositionen), Ablativ. Im Nominativ tritt stattdessen der Infinitiv ein. Das Gerundium drückt eine Handlung als nominalen Begriff aus.
Beispiel: ars scrībendī – „die Kunst des Schreibens" (Genitiv des Gerundiums)
Gerundivum
Das Gerundivum ist ein verbales Adjektiv (Passiv-Partizip der Notwendigkeit), das in allen drei Genera dekliniert wird. Es drückt aus, was getan werden muss oder soll. Prädikativ mit esse bildet es die Coniugatio periphrastica passiva.
Beispiel: liber legendus est – „das Buch muss gelesen werden"
Gerundivkonstruktion
Die Gerundivkonstruktion ersetzt das Gerundium mit Akkusativobjekt: statt ad amandōs librōs steht ad librōs amandōs (Gerundivum kongruiert mit dem Substantiv). Diese Konstruktion ist im klassischen Latein bevorzugt.
Beispiel: Rōmam vēnit ad pācem petendam – „er kam nach Rom, um Frieden zu erbitten"
H
Hypotaxis (Satzgefüge)
Hypotaxis bezeichnet die Unterordnung von Sätzen: ein Hauptsatz und mindestens ein Nebensatz bilden ein Satzgefüge (propositio subordināta). Im Gegensatz zur Parataxis (Satzreihe) sind die Sätze nicht gleichwertig nebeneinander gestellt.
Beispiel: Crēdō tē valēre – „Ich glaube, dass du gesund bist" (AcI als Nebensatz)
I
Imperativ
Der Imperativ ist der Modus der direkten Aufforderung. Im Lateinischen gibt es den Imperativ Präsens (2. Sg. und Pl.) und den Imperativ Futur (für feierliche oder juristische Anordnungen). Der verneinte Imperativ wird durch nōlī/nōlīte + Infinitiv gebildet.
Beispiel: Tacē! – „Schweig!" / Nōlī tacēre! – „Schweige nicht!"
Imperfekt
Das Imperfekt (imperfectum) beschreibt eine vergangene Handlung als andauernd, wiederholt oder in ihrem Verlauf. Es wird mit dem Suffix -bā- (1./2. Konj.) bzw. -ēbā- (3./4. Konj.) gebildet und entspricht im Deutschen dem Präteritum in dauernder Bedeutung.
Beispiel: cotīdiē labōrābat – „er arbeitete täglich (immer wieder)"
→ Tempora
Indikativ
Der Indikativ ist der Aussagemodus: er stellt eine Handlung oder einen Zustand als tatsächlich oder wirklich hin. Im Gegensatz zum Konjunktiv (Möglichkeit, Wunsch, indirekte Rede) ist der Indikativ der Modus der objektiven Feststellung.
Beispiel: Caesar Galliam vīcit – „Caesar besiegte Gallien"
→ Modi
Indirekte Rede
Die indirekte Rede gibt Aussagen einer anderen Person wieder. Im Lateinischen steht eine indirekte Behauptung als AcI, eine indirekte Frage mit Fragewort + Konjunktiv, ein indirekter Befehl mit ut/nē + Konjunktiv.
Beispiel: Dīxit sē valēre – „Er sagte, er sei gesund" (AcI mit Reflexivum)
Indirekter Befehlssatz
Der indirekte Befehlssatz gibt eine Aufforderung mittelbar wieder und steht mit ut (positiv) oder nē (negativ) + Konjunktiv nach Verben des Befehlens, Bittens und Mahnens (iubēre, petere, hortārī, monēre u. a.).
Beispiel: Imperāvit ut mīlitēs pugnarent – „Er befahl, dass die Soldaten kämpfen sollten"
Indirekter Fragesatz
Der indirekte Fragesatz gibt eine Frage mittelbar wieder und steht mit dem Fragewort + Konjunktiv (Consecutio temporum). Nach Hauptzeit steht Konjunktiv Präsens/Perfekt, nach Nebenzeit Konjunktiv Imperfekt/Plusquamperfekt.
Beispiel: Rogāvit, quid faceret – „Er fragte, was er tun solle"
Infinitiv
Der Infinitiv ist die Nennform des Verbs. Im Lateinischen gibt es sechs Infinitive (Präsens/Perfekt/Futur je Aktiv und Passiv). Im AcI-Satz dient der Infinitiv als Prädikat des Nebensatzes; das Tempus drückt ein Zeitverhältnis zum Hauptverb aus.
Beispiel: amāre (Präs. Akt.) · amāvisse (Perf. Akt.) · amātum īrī (Fut. Pass.)
K
Kausalsatz
Der Kausalsatz gibt den Grund einer Handlung an. Er wird durch quod, quia, quoniam (+ Indikativ bei objektiver Begründung, Konjunktiv bei subjektiver oder referierter) oder cum + Konjunktiv eingeleitet.
Beispiel: Quod lassus erat, dormīvit – „Weil er müde war, schlief er"
Konjugation
Die Konjugation ist die Beugung des Verbs nach Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus verbi. Das Lateinische kennt fünf Konjugationsklassen (a-, e-, konsonantisch, i-, ī-Konjugation), die sich im Stammvokal unterscheiden.
Beispiel: 1. Konj. amāre, 2. Konj. monēre, 3. Konj. legere
Konjunktiv
Der Konjunktiv ist der Modus der Möglichkeit, des Wunsches, des Zweifels und der Abhängigkeit. Im Hauptsatz drückt er Wunsch, Aufforderung, Potenzial oder Zweifel aus; im Nebensatz steht er nach den Regeln der Consecutio temporum.
Beispiel: Utinam veniat! – „Wenn er doch käme!" (Wunsch-Konjunktiv)
→ Modi
Komparativ
Der Komparativ ist die erste Steigerungsstufe des Adjektivs oder Adverbs und drückt einen höheren Grad aus. Er wird durch das Suffix -ior/-ius (Adjektiv) bzw. -ius (Adverb) gebildet. Das Vergleichsobjekt steht im Ablativ oder nach quam.
Beispiel: fortior quam frāter – „tapferer als der Bruder"
Konsekutivsatz
Der Konsekutivsatz gibt die Folge einer Handlung an und steht mit ut (positiv) oder ut nōn (negativ) + Konjunktiv. Im Hauptsatz stehen häufig Hinweisworte wie tam, ita, sīc, tantus, tālis, adeō.
Beispiel: Tam fortis erat, ut omnēs eum admīrārentur – „Er war so tapfer, dass alle ihn bewunderten"
Konzessivsatz
Der Konzessivsatz räumt einen Gegengrund ein, ohne dass er den Hauptsatz aufhebt. Er wird durch quamquam (+ Indikativ), quamvīs, cum (+ Konjunktiv) oder etsī, tametsī (+ Indikativ/Konjunktiv) eingeleitet.
Beispiel: Quamquam lassus erat, labōrāvit – „Obwohl er müde war, arbeitete er"
L
Lokalkonstruktionen
Ortsangaben im Lateinischen folgen eigenen Regeln. Bei Städten, Inseln und wenigen Einzelwörtern stehen Ortsruhe (Lokativ = Genitiv/Ablativ), Bewegung hin (Akkusativ ohne Präposition) und Bewegung weg (Ablativ ohne Präposition). Bei allen anderen Örtlichkeiten stehen Präpositionen.
Beispiel: Rōmae habitat (Lokativ) · Rōmam venit (Akkusativ) · Rōmā proficīscitur (Ablativ)
N
NcI – Nominativus cum Infinitivo
Der NcI tritt nach Verben des Sagens und Denkens in passiver Form auf (dīcitur, putātur, vidētur u. a.). Das logische Subjekt des abhängigen Satzes wird zum grammatischen Subjekt des Hauptsatzes im Nominativ, der Infinitiv bleibt.
Beispiel: Caesar dīcitur magnō exercituī imperāvisse – „Caesar soll einem großen Heer befohlen haben"
Nebensatz
Ein Nebensatz (propositio subordināta) ist syntaktisch von einem Hauptsatz abhängig und übernimmt eine Satzgliedfunktion (Subjekt, Objekt, Adverbiale, Attribut). Im Lateinischen steht das Prädikat im Nebensatz häufig im Konjunktiv (Consecutio temporum).
Beispiel: Nesciō, quis sīs – „Ich weiß nicht, wer du bist" (Nebensatz als Objekt)
Nominativ
Der Nominativ ist der erste Kasus und bezeichnet das grammatische Subjekt des Satzes. Er ist zugleich der Nennkasus (Wörterbuchform). Im Lateinischen markiert der Nominativ auch das Prädikatsnomen bei Kopulaverben (esse, fierī u. a.).
Beispiel: Caesar imperātor erat – „Caesar war Feldherr" (Nom. als Prädikatsnomen)
P
Parataxis (Satzreihe)
Parataxis bezeichnet die Nebenordnung gleichwertiger Sätze durch koordinierende Konjunktionen (et, sed, aut, nam, enim u. a.) oder asyndetisch (ohne Konjunktion). Im Gegensatz zur Hypotaxis sind die Sätze syntaktisch gleichrangig.
Beispiel: Vēnī, vīdī, vīcī – „Ich kam, ich sah, ich siegte" (asyndetische Parataxis)
Partizip
Das Partizip ist eine verbale Adjektivform: es hat Eigenschaften des Verbs (Tempus, Genus verbi, Objekt) und des Adjektivs (Deklination nach Genus, Kasus, Numerus). Im Lateinischen gibt es drei Partizipien: Partizip Präsens Aktiv (PPA), Partizip Perfekt Passiv (PPP) und Partizip Futur Aktiv (PFA).
Beispiel: mīles vulnerātus – „der verwundete Soldat" (PPP als Attribut)
Passiv
Das Passiv (genus passīvum) drückt aus, dass das grammatische Subjekt die Handlung erleidet, nicht ausführt. Im Deutschen entspricht es dem „werden"-Passiv. Der Handelnde steht im Lateinischen bei Personen im Ablativ mit ā/ab, bei Sachen im Ablativus instrumenti.
Beispiel: Urbs ā mīlitibus capta est – „Die Stadt wurde von den Soldaten eingenommen"
Participium coniunctum (PC)
Das Participium coniunctum ist ein Partizip, das sich auf das Subjekt oder Objekt des Hauptsatzes bezieht und in Genus, Kasus und Numerus damit kongruiert. Es entspricht im Deutschen oft einem Neben- oder Relativsatz.
Beispiel: Mīles, vulnerātus, tamen pugnāvit – „Der Soldat, obwohl verwundet, kämpfte dennoch"
Perfekt
Das Perfekt (perfectum) bezeichnet eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit. Im Lateinischen kann es einem deutschen Präteritum (einmalig-abgeschlossene Handlung) oder einem Perfekt (Ergebnis-Perfekt) entsprechen. Es wird aus dem Perfektstamm gebildet (Kennzeichen: -v-, -u-, -s-, Reduplikation).
Beispiel: Vēnit, vīdit, vīcit – „Er kam, sah, siegte"
→ Tempora
Plusquamperfekt
Das Plusquamperfekt (plūsquamperfectum) bezeichnet eine Handlung, die vor einem anderen vergangenen Zeitpunkt bereits abgeschlossen war (Vorvergangenheit). Es wird aus Perfektstamm + -erā- (Aktiv) bzw. PPP + eram (Passiv) gebildet.
Beispiel: Cum Caesar vēnisset, mīlitēs iam pugnāverant – „Als Caesar angekommen war, hatten die Soldaten bereits gekämpft"
→ Tempora
Prädikat
Das Prädikat ist das Kern-Satzglied und bezeichnet die Handlung oder den Zustand, die dem Subjekt zugeschrieben werden. Im Lateinischen trägt das finite Verb Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus verbi; es kann allein das Prädikat bilden oder mit einem Prädikatsnomen verbunden sein.
Beispiel: Puella cantat – „Das Mädchen singt" (einfaches Prädikat)
Prädikatsakkusativ
Der Prädikatsakkusativ tritt bei bestimmten Verben auf, die neben dem Akkusativobjekt noch eine prädikative Ergänzung im Akkusativ verlangen. Typische Verben: appellāre, nōmināre, facere, habēre, dīcere.
Beispiel: Rōmānī eum imperātōrem appellāvērunt – „Die Römer nannten ihn Feldherrn"
Prädikativum
Das Prädikativum ist eine adjektivische oder substantivische Ergänzung, die mit dem Subjekt oder Objekt kongruiert und gleichzeitig eine Aussage über den Zustand während der Handlung macht. Es unterscheidet sich vom Attribut dadurch, dass es auf eine Situation bezogen ist, nicht auf eine dauernde Eigenschaft.
Beispiel: Mīles laetus domum revertit – „Der Soldat kehrte freudig nach Hause zurück" (prädikativ: er war freudig beim Zurückkehren)
Präposition
Präpositionen sind unveränderliche Wörter, die mit einem Nomen im Akkusativ oder Ablativ verbunden werden und dessen grammatische und semantische Funktion präzisieren. Manche Präpositionen regieren beide Kasus mit unterschiedlicher Bedeutung (in + Abl. = Ort; in + Akk. = Richtung).
Beispiel: in scholā sedet (Abl., Ort) · in scholam intrat (Akk., Richtung)
R
Relativsatz
Der Relativsatz wird durch ein Relativpronomen (quī, quae, quod) oder Relativadverb eingeleitet und gibt eine nähere Bestimmung zu einem vorangehenden Substantiv oder Pronomen (dem Bezugswort). Genus und Numerus des Relativpronomens richten sich nach dem Bezugswort; der Kasus hängt von der Funktion im Relativsatz ab.
Beispiel: Vir, quem amāmus, bonus est – „Der Mann, den wir lieben, ist gut"
S
Satzarten
Satzarten unterscheiden nach kommunikativer Funktion: Aussagesatz (ēnuntiātiō), Fragesatz (interrogātiō), Befehlssatz (imperātiō) und Ausrufesatz (exclamātiō). Nach syntaktischer Struktur unterscheidet man Einfachsatz, Satzreihe (Parataxis) und Satzgefüge (Hypotaxis).
Beispiel: Vēnit. (Aussage) · Vēnitne? (Frage) · Venī! (Befehl)
Satzglieder
Satzglieder sind die funktionalen Einheiten eines Satzes: Subjekt, Prädikat, Objekt (Akkusativ-, Dativ-, Genitiv-, Ablativobjekt), adverbiale Bestimmung, Attribut und Prädikativum. Im Lateinischen ist die Satzgliedstellung weitgehend frei, da die Kasus die Funktion anzeigen.
Beispiel: Puella [Subj.] librōs [Akk.-Obj.] legit [Präd.] – „Das Mädchen liest Bücher"
Subjekt
Das Subjekt ist das Satzglied, über das eine Aussage gemacht wird. Es steht im Nominativ und bestimmt Person und Numerus des finiten Verbs (Kongruenz). Im Lateinischen kann das Subjekt durch die Personalendung des Verbs ausgedrückt sein und muss nicht explizit stehen.
Beispiel: Pugnant – „Sie kämpfen" (Subjekt „sie" in der Endung enthalten)
Superlativ
Der Superlativ ist die höchste Steigerungsstufe des Adjektivs oder Adverbs. Er wird durch das Suffix -issimus/-a/-um (Adjektiv) bzw. -issimē (Adverb) gebildet. Der absolute Superlativ drückt einen sehr hohen Grad aus (ohne Vergleich), der relative den höchsten Grad innerhalb einer Gruppe.
Beispiel: fortissimus omnium – „der tapferste von allen" (relativer Superlativ)
Supinum
Das Supinum ist eine erstarrte Verbalform (4. Kasus eines verbalen Substantivs auf -tus). Das Supinum I (Akkusativ auf -um) drückt nach Bewegungsverben den Zweck aus; das Supinum II (Ablativ auf -ū) steht nach Adjektiven der Beschaffenheit und ist selten.
Beispiel: Rōmam lūsum iit – „Er ging nach Rom, um zu spielen" (Supinum I)
T
Temporalsatz
Der Temporalsatz gibt den zeitlichen Rahmen der Hauptsatzhandlung an. Einleitende Konjunktionen: cum (als/wenn), ubi (als/wenn), postquam (nachdem, + Perfekt Indikativ), dum (während/solange, + Präsens Ind.), antequam/priusquam (bevor, + Ind./Konj.).
Beispiel: Postquam Caesar vēnit, omnes tacuērunt – „Nachdem Caesar gekommen war, schwiegen alle"
Tempus (Zeitformen)
Das Tempus ist eine grammatische Kategorie des Verbs, die den Zeitbezug (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft) und den Aspekt (abgeschlossen/dauernd) ausdrückt. Das Lateinische unterscheidet sechs Tempora: Präsens, Imperfekt, Futur I, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II.
Beispiel: Präsens amat · Imperfekt amābat · Perfekt amāvit · Plusquamperfekt amāverat
→ Tempora
V
Verb
Das Verb (verbum) ist die zentrale Wortart des Satzes. Es trägt die grammatischen Kategorien Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus verbi. Das lateinische Verb steht in der Regel am Satzende (Letztstellung) und ist durch seine Personalendung häufig das einzige Satzglied.
Beispiel: scrībit – „er/sie/es schreibt" (3. Sg. Präs. Ind. Akt.)
→ Verb
Vokativ
Der Vokativ ist der Rufkasus und dient der direkten Anrede. Er stimmt in den meisten Deklinationen mit dem Nominativ überein; Ausnahmen sind die o-Deklination (Sg.: serve! statt servus) und griechische Fremdwörter.
Beispiel: Serve, veni! – „Sklave, komm!"