Pacem in terris – Die Menschenrechte (§ 11)
Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris (1963), § 11 · Schwierigkeit: schwer
Einleitung
Pacem in terris („Friede auf Erden") ist eine Enzyklika Papst Johannes' XXIII. aus dem Jahr 1963 — die erste, die sich ausdrücklich an „alle Menschen guten Willens" richtet, nicht nur an Katholiken. Sie entfaltet eine naturrechtliche Begründung der Menschenrechte. Der hier abgedruckte § 11 zählt grundlegende Rechte auf: das Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und die zum menschenwürdigen Leben nötigen Mittel.
Der Text zeigt gepflegtes modernes Kirchenlatein: eine lange Periode mit mehrfachem AcI, anaphorisches habere ius als Stilmittel der Aufzählung, und eine Kette von sechs konditionalen si-Sätzen im Konjunktiv.
Quelle: Auszug (§ 11), zitiert nach der amtlichen lateinischen Fassung. Originaltext © Libreria Editrice Vaticana — wiedergegeben als kurzes Zitat zu Lehr- und Erläuterungszwecken (§ 42f öUrhG / § 51 dUrhG). Der vollständige lateinische Text sowie die offizielle deutsche Übersetzung stehen auf vatican.va.
Lateinischer Text (§ 11 — Zitat zu Lehrzwecken)
Wortschatz-Hilfen
| Wort / Wendung | Bedeutung |
|---|---|
| sermonem habere de (+ Abl.) | sprechen über |
| animadvertere | bemerken, feststellen |
| ius vitae | das Recht auf Leben (Genitiv) |
| integritas corporis | körperliche Unversehrtheit |
| instrumenta, -orum n. Pl. | Mittel, Hilfsmittel |
| ad honestum vitae cultum aptus 3 | geeignet für eine menschenwürdige Lebensführung |
| victus, -us m. | Nahrung, Lebensunterhalt |
| requies, -etis f. | Ruhe, Erholung |
| medicorum curationes | ärztliche Versorgung |
| ministeria civitatis | Leistungen des Staates/Gemeinwesens |
| in singulos | gegenüber dem Einzelnen |
| adiuvari | unterstützt werden (Passiv zu adiuvare) |
| adversa valetudine corripi | von Krankheit befallen werden |
| debilitari | geschwächt werden |
| viduitas, -atis f. | Witwenstand, Verwitwung |
| senio confici | vom Alter aufgerieben werden |
| vacare ab opere | ohne Arbeit sein, arbeitslos sein |
| sine ulla sua noxa | ohne eigenes Verschulden |
| rebus deturbari ad victum necessariis | der zum Lebensunterhalt nötigen Mittel beraubt werden |
Grammatische Hinweise
- de hominis iuribus sermonem habentes: Partizipialkonstruktion (Partizip Präsens habentes, bezogen auf das „wir" von animadvertimus) — „indem wir … sprechen".
- animadvertimus hominem … habere ius …: AcI (Subj.-Akk. hominem, Inf. habere); habere ius wird anaphorisch dreimal wiederholt — Stilmittel der Aufzählung.
- ius instrumentorum … aptorum: Genitivkette; aptorum (Gen. Pl.) kongruiert mit instrumentorum und regiert ad … cultum — „geeignet für".
- Ex quo sequitur hominem … ius habere, ut adiuvetur: relativischer Satzanschluss ex quo („daraus folgt"); erneut AcI (hominem … habere), dann erläuternder ut-Satz mit adiuvetur im Konjunktiv.
- Die Kette si … corripiatur, si … debilitetur, si … relinquatur, si … conficiatur, si … cogatur, si … deturbetur: sechs parallele Konditionalsätze im Konjunktiv — Aufzählung der Notlagen, in denen das Recht auf Unterstützung gilt.
- Beachte die Passivformen durchweg (adiuvetur, corripiatur, debilitetur …): der Mensch erscheint als Betroffener von Schicksal und Gesellschaft — der Sprachform nach passiv, dem Inhalt nach schutzbedürftig.
Übersetzung
Die offizielle deutsche Übersetzung steht auf vatican.va (deutsche Fassung).
Übungsfragen
- Bestimme die Partizipialkonstruktion sermonem habentes (Bezugswort, Zeitverhältnis, sinngemäße Auflösung).
- Wie oft und in welcher Form wird der AcI von animadvertimus fortgeführt? Markiere die Wiederholungen von habere ius.
- Bestimme alle sechs si-Sätze: Modus und Funktion. Warum steht durchweg der Konjunktiv?
- Erkläre den relativischen Anschluss ex quo sequitur.
- In welchem Kasus steht aptorum, und wovon hängt es ab?
- Diskutiere: Wie spiegelt die Häufung von Passivformen die inhaltliche Aussage des Abschnitts über den schutzbedürftigen Menschen wider?