Caesar, Bellum Gallicum I,1

Geographische Einleitung: die drei Teile Galliens · Schwierigkeit: leicht

Einleitung

Caesar eröffnet seinen Bericht über den Gallischen Krieg (58–51 v. Chr.) mit der berühmten geographischen Beschreibung Galliens. Der Eingangssatz Gallia est omnis dīvīsa in partēs trēs gehört zu den meistzitierten der lateinischen Literatur. Was wie eine sachliche geographische Notiz aussieht, ist gleichzeitig politisch: Caesar ordnet die Welt aus römischer Perspektive und bereitet die Rechtfertigung seines Eingreifens vor.

Quelle: Caesar, Commentarii de Bello Gallico, liber I, caput I. Gemeinfreie Edition (The Latin Library / Perseus Digital Library).

Lateinischer Text

1 Gallia est omnis dīvīsa in partēs trēs, quārum ūnam incolunt Belgae, 2 aliam Aquītānī, tertiam quī ipsōrum linguā Celtae, nostrā Gallī 3 appellantur. Hī omnēs linguā, īnstitūtīs, lēgibus inter sē differunt. 4 Gallōs ab Aquītānīs Garumna flūmen, ā Belgīs Mātrona et Sēquana dīvidit.

Wortschatz-Hilfen

WortFormBedeutung
dīvīsa (est)PPP Nom. Sg. f. + estist aufgeteilt / besteht aus
incolunt3. Pl. Präs. Akt.sie bewohnen
ipsōrumGen. Pl. m. (von ipse)ihrer eigenen
appellantur3. Pl. Präs. Pass.sie werden genannt
īnstitūtīsAbl. Pl. n. (īnstitūtum)Einrichtungen, Bräuchen
differunt3. Pl. Präs. (Komp. von ferre)sie unterscheiden sich
dīvidit3. Sg. Präs. Akt.trennt, teilt

Grammatische Hinweise

Übersetzungen

Wörtliche Übersetzung

„Ganz Gallien ist in drei Teile aufgeteilt, von denen einen die Belger bewohnen, einen anderen die Aquitanier, den dritten jene, die in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer Gallier genannt werden. Diese alle unterscheiden sich in Sprache, Einrichtungen und Gesetzen voneinander. Die Gallier von den Aquitaniern der Fluss Garumna, von den Belgern Matrona und Sequana trennt."

Idiomatische Übersetzung

„Gallien als Ganzes besteht aus drei Teilen: Den einen bewohnen die Belger, einen weiteren die Aquitanier und den dritten ein Volk, das sich selbst Kelten nennt, in unserer Sprache aber Gallier heißt. Diese drei Völker unterscheiden sich in Sprache, Bräuchen und Gesetzen voneinander. Den Fluss Garonne trennt die Gallier von den Aquitaniern, Marne und Seine von den Belgern."

Interpretation

Caesar liefert ein ethnographisches Panorama, das zugleich politisch ist: Die scheinbar objektive geographische Beschreibung ordnet die Welt konsequent aus römischer Perspektive (nostrā linguā – „in unserer Sprache"). Indem er Gallien in drei klar abgegrenzte Teile mit je eigener Identität einteilt, bereitet er die Rechtfertigung seines militärischen Eingreifens vor: Ein derart zersplittertes Land braucht offenbar Ordnung von außen. Die sachliche, unpersönliche Sprache (3. Person, Passiv, trockene Fakten) vermittelt den Eindruck einer objektiven Berichterstattung – obwohl Caesar zugleich Akteur und Autor des beschriebenen Krieges ist.

Übungsfragen

  1. Welche grammatische Funktion hat quārum in Z. 1? Auf welches Bezugswort bezieht es sich?
  2. Bestimme Kasus und grammatische Funktion von linguā in Z. 3 (erster Beleg).
  3. Wie viele Hauptsätze enthält der gesamte Abschnitt? Erkenne sie an der Verbform.
  4. Warum verwendet Caesar das Passiv appellantur (Z. 3) statt eines Aktivs?
  5. Welche stilistische Wirkung hat die Dreiergliederung linguā, īnstitūtīs, lēgibus?