Mittellatein
ca. 600–1500 n. Chr. · Kirchenlatein, Scholastik, Dichtung · Schwierigkeit: mittel–schwer
Was ist Mittellatein?
Als Mittellatein bezeichnet man die lateinische Schriftsprache des europäischen Mittelalters (ca. 600–1500 n. Chr.). Es ist keine einheitliche Sprache, sondern ein Kontinuum: In Kirchentexten des frühen Mittelalters dominiert Kirchenlatein, in der Scholastik des 12.–13. Jahrhunderts ein philosophisch-technisches Latein, in Humanismusliteratur eine bewusste Annäherung an klassische Vorbilder.
Mittellatein unterscheidet sich vom klassischen Latein in mehreren Punkten: neue Bedeutungen klassischer Wörter (z. B. causa = „Ding"), Kirchenvokabular (grātia, salus, peccātum), andere Syntax (mehr Parataxe, quod statt AcI) und gelegentlich abweichende Formen.
Wichtige Gattungen und Texte
- Kirchentexte: Hymnen, Predigten, Konzilsdokumente (z. B. Augustinus, Confessiones)
- Chroniken: Annalen, Stadtchroniken, Kreuzzugsberichte
- Scholastik: Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Petrus Abelardus
- Dichtung: Carmina Burana (13. Jh.), Vagantendichtung
- Universitätstexte: Promotionsurkunden, akademische Disputationen
- Humanismus: Francesco Petrarca, Enea Silvio Piccolomini (später Papst Pius II.)
Texte
- Karl der Große entgeht einem Anschlag – Die Verschwörung des Pippinus (9. Jh.)
- Der heilige Franz von Assisi und die Lämmer – Actus Beati Francisci (13./14. Jh.)
- Hahn und Fuchs – eine Fabel – Mittelalterliche Fabeltradition (Romulus)
- Die Herkunft des Zauberers Merlin – Geoffrey of Monmouth, Historia Regum Britanniae (ca. 1138)
- Luigi Miraglia über das Lateinlernen – Neulateinischer Text (21. Jh.)
- Paulus Diaconus – Lopichis aus dem Awarenland – Historia Langobardorum VI,40 (8. Jh.)
- Zu zwei Sprichwörtern – A) Caesar und der Rubikon; B) Erasmus, Adagia